
Beim prominent besetzten Trainingsduell mit Novak Djokovic auf der Anlage der US Open ließ sich Alexander Zverev nur einmal kurz aus der Ruhe bringen. Die konstanten Rufe eines Störenfrieds während des Aufschlags quittierte der Sieger der French Open auf Englisch mit einem genervten "Halt die Klappe, bitte".
Ansonsten präsentiert er sich kurz vor Beginn des letzten Grand Slams des Jahres tiefenentspannt. Ein kurzer Plausch mit der serbischen Tennisikone, ein Lächeln - zumindest äußerlich ist Zverev nicht anzumerken, dass für ihn eine ganz besondere Premiere ansteht. Bei seiner 43. Teilnahme startet der Hamburger erstmals als topgesetzter Spieler in ein Grand-Slam-Turnier.
Becker über Top-Position in Setzliste: "Geilste Situation"
Als bislang letzter männlicher deutscher Profi führte Boris Becker das Feld bei einem der vier größten Turniere an - vor 35 Jahren ebenfalls bei den US Open. Die deutsche Legende erinnert sich gerne zurück an die Stellung als "König der Löwen": "Das war die geilste Situation für mich überhaupt."
Zverev rückte durch die verletzungsbedingte Absage des italienischen Weltranglistenersten Jannik Sinner in die Top-Position. An Carlos Alcaraz hat sich der 28-Jährige im Ranking nach der mehr als viermonatigen Pause des Spaniers wegen Handgelenksproblemen vorbeigeschoben - und findet sich damit in der Rolle des Topfavoriten wieder. Allerdings aus Sicht von Becker mit einem Fragezeichen.
Zverevs nächster großer Traum: Die Nummer eins der Welt
"Jetzt ist die Chance da, wenn die Hauptkonkurrenten - und das sind Sinner und Alcaraz - ein bisschen kränkeln oder nicht fit sind, da muss er zuschlagen und da muss er gewinnen. Deshalb drücke ich alle Daumen", sagte der 58-Jährige im gemeinsamen Podcast mit Andrea Petkovic. "Aber ich spüre, dass er sich vielleicht zu viel Druck macht aufgrund dieser unglaublichen Chance."
Dem ganz großen Druck, nicht als Unvollendeter ohne Grand-Slam-Triumph zu enden, hat Zverev sich dieses Jahr bereits bei den French Open entledigt. Doch neben weiteren großen Titeln jagt der Olympiasieger von 2021 nun vor allem einem Traum hinterher: "Ich habe immer noch dieses eine Ziel, das ich nicht erreicht habe: die Nummer Eins in der Welt", sagte Zverev bereits nach dem Sieg in Paris. "Ich wäre froh, wenn ich dies für eine Woche schaffen würde."
Schwacher Start in die Hartplatzsaison
Auch bei einem Titelgewinn würde er zwar immer noch mehr als 1.000 Punkte hinter Sinner liegen - dieses Jahr fehlten allerdings auch schon rund 9.000 Punkte zur Position eins. Zudem stand Zverev diese Saison bislang bei allen Grand-Slam-Turnieren mindestens im Halbfinale. Doch wie groß ist die Chance auf den Titel im New Yorker Stadtteil Queens wirklich?
Seit der Finalniederlage gegen Sinner in Wimbledon vor knapp sieben Wochen und dem Beginn der Hartplatzsaison in Nordamerika hat Zverev ganze zwei Matches gewonnen. In Toronto verlor er - an eins gesetzt - direkt sein erstes Spiel.
Bei der US-Open-Generalprobe in Cincinnati verfiel der Hamburger zeitweise wieder in alte Muster, agierte in den entscheidenden Phasen des Achtelfinal-Aus gegen den Amerikaner Tommy Paul zu passiv und mit zu wenig Tempo. "Das erinnert mich an das Frühjahr letztes Jahr", sagte Becker. Schon damals hatte Zverev die Chance für einen Angriff auf die Nummer 1 des zu der Zeit Doping gesperrten Sinner ungenutzt gelassen.
Dass nun bei den US Open im Mixed-Wettbewerb an der Seite der Amerikanerin Taylor Townsend bereits zum Auftakt Schluss war, dürfte Zverev vor Beginn der Einzelkonkurrenz am Sonntag nicht beunruhigen. Nur allzu abergläubisch sollte der Hamburger nicht sein. Als bislang letzter deutscher topgesetzter Spieler scheiterte Becker 1991 in New York schon in Runde drei.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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