
Nach dem kräftezehrenden US-Doppelpack freute sich Alexander Zverev auf ein bisschen Erholung zu Hause. Der deutsche Tennisstar verließ Amerika zwar ohne einen weiteren Titel im Gepäck, dafür aber mit einer wichtigen Erkenntnis: Er ist mit seiner neuen Spielweise dichter an die Ausnahmekönner Jannik Sinner und Carlos Alcaraz herangerückt. Und der Respekt vor der Version Zverev 2.0 ist spürbar gestiegen.
"Er hat unglaublich gut gespielt", schwärmte Sinner nach dem 6:3, 7:6 (7:4)-Sieg beim Masters-1000-Turnier in Miami über Halbfinalgegner Zverev. Es war sein siebter Sieg in Serie gegen den Deutschen - doch der war härter umkämpft, als es das Ergebnis vermuten lässt. Hatte der italienische Hartplatz-Dominator zwei Wochen zuvor in Indian Wells in der Vorschlussrunde noch relativ leichtes Spiel gehabt, begegneten sich die beiden nun komplett auf Augenhöhe.
"Richtig dominant": Zverev überzeugt spielerisch
Zverev, der in dieser Saison seine oft kritisierte Passivität ablegen und mutiger sowie aggressiver von der Grundlinie agieren will, spielte phasenweise begeisterndes Tennis. Selbst mit der sonst manchmal wackligen Vorhand gelangen ihm spektakuläre Gewinnschläge. "Ich hatte das Gefühl, von der Grundlinie aus richtig dominant zu werden", sagte der 28-Jährige. Unter Druck machte Sinner ungewöhnlich viele Fehler.
Ein einziges schwaches Service kostete Zverev den ersten Satz, den Tiebreak im zweiten Durchgang verlor er wegen eines missglückten Überkopf-Schmetterballs beim Stand von 4:4. "Ich habe den Ball etwas aus den Augen verloren, bin hochgesprungen und habe ihn falsch getimt", sagte Zverev zu der Szene. Doch anders als oft nach Niederlagen haderte er diesmal nicht mit sich selbst: "So ist es nun mal. Wir machen weiter."
Denn Zverev hat gesehen: Er ist auf dem richtigen Weg. Auch in den Runden zuvor in Miami und im Viertelfinale von Indian Wells gegen den talentierten Franzosen Arthur Fils war er mit einer offensiveren Spielweise erfolgreich. Und nur mit dieser hat der neue Weltranglistendritte auch eine Chance gegen Sinner und Alcaraz, die ansonsten selbst die Initiative ergreifen und den Gegner spielerisch erdrücken.
Zverev spürt sein großes Ziel näherkommen
"Ich werde wahrscheinlich keine Rekorde brechen. Eines der Dinge, die mir aber wirklich wichtig sind, ist, mein Spiel so zu verbessern, dass ich einen Grand Slam gewinnen kann", sagte der Olympiasieger von 2021: "Ich fühle absolut, dass ich dazu in der Lage bin." Im Vorjahr habe er sich einen Titel bei einem der vier Grand-Slam-Turniere auch aufgrund diverser Verletzungen nicht so zugetraut. "Ich fühle mich anders dieses Jahr, ich fühle, dass es passieren kann - und auch passieren wird."
Was ihm für den ganz großen Coup noch fehlt, ist ohne Zweifel die Überzeugung in den entscheidenden Momenten. Das war im Halbfinale der Australian Open gegen den angeschlagenen Alcaraz so, und das war auch gegen Sinner in Miami so. Für manche war Zverev an diesem Abend über das gesamte Match gesehen gar der besser Spieler - aber eben nicht bei den Big Points.
Diese Statistik dürfte Zverev gar nicht gefallen
Dazu passt diese Statistik des Datenanbieters Opta: Abseits der ATP Finals hat Zverev nun zwölf Spiele in Serie gegen einen anderen Top-5-Spieler verloren. Seit Veröffentlichung der Weltrangliste 1973 hatte nur David Ferrer (15) einen noch schlechteren Lauf in dieser Hinsicht.
Seine größten Grand-Slam-Chancen hat Zverev sicher bei den French Open auf seinem Lieblingsbelag Sand. Die Sandplatz-Saison leitet er mit dem Start beim Masters-1000-Turnier in seiner Wahlheimat Monaco ab dem 5. April ein. Dort wird auch der spanische Weltranglistenerste Alcaraz äußerst motiviert nach seinem frühen Aus in Miami wieder angreifen, und auch Sinner ist dabei.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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