
Donald Trump kommt in diesem Jahr nicht zum Super Bowl. Die Politik des US-Präsidenten aber ist längst auch im Umfeld dieses Ur-amerikanischen Mega-Events angekommen. In der deutschen Nacht zu Montag (0.30 Uhr MEZ/RTL und DAZN) spielen die Seattle Seahawks gegen die New England Patriots. Ob das Duell den ermüdeten Menschen in den USA eine erhoffte Pause verschafft und es für einige Stunden nur um Sport und Unterhaltung geht, ist aber mindestens fraglich. Zu polarisiert ist alles - selbst für die Halbzeitshow gibt es ein als Gegenveranstaltung gedachtes Alternativprogramm aus der konservativen Ecke des Landes.
Zumindest Cooper Kupp, einer der wenigen Stars in Super Bowl LX, hat die Hoffnung nicht aufgegeben. "Der Super Bowl wird nichts ändern, er wird niemandes Perspektive verändern. Aber ich bin optimistisch, dass er Leute zusammenbringt", sagte der 32 Jahre alte Profi der Seattle Seahawks der Deutschen Presse-Agentur.
Vor vier Jahren mit den Los Angeles Rams hat Kupp die Vince Lombardi Trophy bereits gewonnen - und als wertvollster Spieler im Duell mit den Cincinnati Bengals entscheidend zur großen Party in Los Angeles beigetragen. Er lebt und liebt American Football seit er ein kleines Kind ist, er kennt die soziale Kraft dieser Sportart - und er hofft, dass sie zumindest für ein paar Stunden seinem Land hilft.
Geht es bei den Partys um Hot Dogs oder um Politik?
Denn den USA geht es nicht gut. Viele Menschen sehnen sich nach einer Pause. Es soll für ein paar Stunden nur darum gehen, wie gesund die beiden Quarterbacks Sam Darnold (Seahawks) und Drake Maye (Patriots) sind, darum, dass die Patriots erstmals seit dem Abschied von Tom Brady wieder in einem Super Bowl stehen und mit einem siebten Sieg alleiniger Rekordhalter wären. Um Hot Dogs soll es gehen, Geselligkeit und die sündteuren Werbespots. Ob das wichtigste und größte Spiel der NFL diese mentale Auszeit aber tatsächlich ermöglicht, ist fraglich.
Denn auch dieser scheinbar rein sportliche Wettkampf im Levi's Stadium, eine Stunde südlich von San Francisco, ist längst politisch. Mit all den Extremen, ohne die es in den USA offenbar nicht mehr geht. "Es ist schade, dass wir sind, wo wir sind, als Land", sagte Kupp.
Trump hält den Künstler für die Halbzeit für eine "furchtbare Wahl"
Im Gegensatz zum vergangenen Jahr in New Orleans wird US-Präsident Trump im Norden Kaliforniens zwar nicht als Gast im Stadion sein, eine Meinung vertritt der Republikaner aber natürlich trotzdem - speziell zu dem Künstler, der während der Halbzeit-Pause auftritt: Bad Bunny, ein Sänger aus Puerto Rico, dessen Abrufzahlen auf Streamingplattformen alles in den Schatten stellen. Bad Bunny ist seit dem vergangenen Wochenende dreifacher Grammy-Gewinner. Für Trump ist er eine "furchtbare Wahl".
Bad Bunny singt ausschließlich auf Spanisch. Und er hat den US-Präsidenten und dessen Politik mehrfach deutlich kritisiert - zuletzt bei seiner Rede nach der Auszeichnung für das beste Album des Jahres. "Bevor ich Gott danke, sage ich: ICE raus!", sagte er. ICE ist jene Behörde, die seit Monaten für brutale Einsätze gegen Migranten verantwortlich ist. In Minneapolis wurden zuletzt zwei US-Amerikaner von Einsatzkräften, die wie ICE dem Heimatschutzministerium unterstellt sind, erschossen.
ICE-Werbung sorgt für zusätzliche Unruhe
Im Großraum San Francisco soll es nach Angaben der lokalen Behörden und der NFL rund um das Spiel keine ICE-Einsätze geben. Doch Aktivisten trauen diesen Aussagen nicht. Zu Wochenbeginn tauchten in einem bei Touristen beliebten Viertel riesige Anzeigen auf, die die Arbeit mit Anspielungen zum Football bewarben.
Auf einer Version hielt ein Mann in Uniform einen Pokal, dazu der Slogan: "Wichtigster Abwehrspieler der Saison". Auf einer anderen Version hieß es zu einem Foto mit Football-Spielern: "Ohne Abwehr können sie nicht gewinnen" - und daneben zu einem mit ICE-Beamten: "Amerika auch nicht".
Bad Bunny: "Wir sind keine Wilden"
"Wir sind keine Wilden, wir sind keine Tiere, wir sind keine Fremden, wir sind Menschen, und wir sind Amerikaner", sagte Bad Bunny. Seine derzeit laufende Welttournee hat mehr als 50 Shows in Lateinamerika, Europa, Asien und Australien - die USA aber lässt er aus, weil er seine Fans nicht in die Gefahr bringen will, von ICE drangsaliert zu werden. Der Super Bowl ist also der einzige Auftritt. Zusätzliche Brisanz.
NFL-Boss Roger Goodell sagte zu Wochenbeginn, Bad Bunny sei "einer der besten Künstler" und verstehe, dass der Super Bowl eine kraftvolle Bühne sei, "um Menschen zusammenzubringen". Experten rechnen damit, dass der Sänger die Gelegenheit vor bis zu 300 Millionen TV-Zuschauern in irgendeiner Form nutzen wird.
"Er hat sehr deutlich gemacht, wofür er steht"
"Er hat sehr deutlich gemacht, wofür er steht", sagte Vanessa Díaz, eine Professorin an der Loyola Marymount Universität und Co-Autorin eines Buches, das thematisiert, wie er "die globale Stimme des Widerstands in Puerto Rico" wurde. Sie ergänzte: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass das mit dem Super Bowl alles verschwindet."
Was auch immer auf der Bühne passiert, möglichst viele Amerikaner sollen es gar nicht live sehen. Sondern lieber das "patriotische" Konkurrenzprogramm verfolgen, das von der extrem konservativen Organisation "Turning Point America" produziert und auf zahlreichen nationalistischen und erzkonservativen Sendern ausgestrahlt wird. Bekanntester Sänger dort dafür ist Kid Rock.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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