
Wie von Geisterhand werden die Tasten des schwarzen Flügels im Kalkhof-Rose-Saal der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz angeschlagen. Das Instrument klingt auch so, als ob der Künstler daran säße und spielte - er ist aber nur live aus einem Konzertsaal per Internet zugeschaltet. Was hinter dem sogenannten Selbstspielsystem steckt.
Von Wehrheim nach Mainz und in alle Welt übertragen
Der japanische Komponist und Pianist Hayto Sumino etwa wird am kommenden Montagabend auf diese Weise im Kalkhof-Rose-Saal zu erleben sein. Einige kostenlose Karten für das besondere Konzert in dem einzigen Kammermusiksaal in Holzbauweise in Deutschland gibt es noch.
Insgesamt haben 90 bis 100 Zuhörer in dem von der Mäzenin Sibylle Kalkhof-Rose (1925-2022) gestifteten - rund 1,8 Millionen Euro teuren - Saal Platz.
Dieses Konzert kann zeitgleich weltweit auch auf den rund 10.000 anderen Steinway Flügeln mit Spirio-Technologie in aller Welt verfolgt werden.
Der dreifache Opus-Klassik-Preisträger Sumino ist in diesem Jahr Artist in Residence beim Rheingau-Musik-Festival. Das Konzert gibt der Künstler in der Löwenherz Privatbrauerei in Wehrheim im Taunus vor rund 100 Menschen.
Einziger Unterschied: "Der Künstler ist nicht hier"
Den Unterschied zwischen dem Live-Konzert in Wehrheim und dem in Mainz beschreibt der Leiter von Steinway& Sons in Frankfurt, Marko Hartung, so: "Der Künstler ist nicht hier." Zumindest nicht physisch. Neben den Tasten, die sich exakt nach Suminos Anschlag bewegen, kann sein Auftritt auf einem riesigen Bildschirm in der Akademie verfolgt werden.
Mit Blick auf die Fußball-Weltmeisterschaft beschreibt Hartung das Erlebnis so: "Zwei Tore stehen bei Ihnen zu Hause und der Ball bewegt sich - neben der TV-Übertragung."
Die Hammerköpfe des Flügels werden optisch gemessen
Möglich mache die Konzert-Übertragung eine optische Messung der Geschwindigkeit aller 88 Hammerköpfe des Flügels, für jeden Hammerkopf 800 Mal pro Sekunde. "Dabei werden 1.000 möglich Dynamikstufen erkannt und wiedergegeben", erläutert Hartung. "Zudem erfasst das System über 250 verschiedene Positionen des Dämpfungs– und Verschiebepedals."
88 kleine Kunstsstoffstoßer im Inneren des Flügels - angetrieben durch Elektromagneten - bringen die Tasten und die Mechanik in Bewegung – als würde der Künstler in diesem Moment selbst am Instrument sitzen. "Die Bewegung, die sonst die Finger von oben ausführen, kommt nun von unten."
Auch die Pedalklänge klingen wie im Live-Konzert, sie bewegen sich - anders als die Tasten - allerdings nicht, sondern werden in dem Flügel angestoßen.
Rund 235.000 Euro kostet so ein Flügel
Die Live-Übertragungen mit der Technik gebe es seit 2022, ein damit ausgestatteter Flügel koste rund 235.000 Euro, inklusive einer Bibliothek reproduzierter Live-Auftritte und Einladungen für Live-Konzerte wie das von Sumino, sagt Hartung. Etwa 500 der Flügel stehen in Deutschland, davon einige in Privathaushalten, andere in kleineren Konzertsälen wie der Akademie.
Bald auch Konzerte aus der Akademie in alle Welt
Etwa 50 bis 60 kostenfreie Live-Konzerte gebe es im Jahr in dem Kalkhof-Rose-Saal, sagt der Generalsekretär der Akademie, Professor Claudius Geisler. "Das wird sehr gut angenommen."
Suminos ist die dritte Live-Übertragung mit der Spiro-Technik. "In Zukunft planen wir nicht nur Konzerte hier in der Akademie zu empfangen, sondern auch vom Kalkhof-Rose-Saal aus in alle Welt zu senden."
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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