
Die nächste Hitzewelle kommt bestimmt. Weil Phasen mit sehr hohen Temperaturen auch in Bayern zunehmen, mahnen Gesundheits- und Umweltverbände zu deutlich mehr Schutzmaßnahmen für Bevölkerung und Städte. Anlass ist der bundesweite Hitzeaktionstag am 11. Juni. Experten erwarten wegen steigender Temperaturen nicht zuletzt weitere Belastungen für das Gesundheitssystem.
Nach einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) mangelt es In bayerischen Städten erheblich an Schutzmaßnahmen gegen sommerliche Hitze. Beim "Hitze-Check 2026" erreichte keine der 17 untersuchten bayerischen Kommunen mit mehr als 50.000 Einwohnern eine positive "grüne" Gesamtbewertung. Stattdessen dominieren gelbe und rote Einstufungen das Bild im Süden, wie die Daten der Organisation zeigen. Gleichzeitig findet sich aber auch keine bayerische Stadt unter den bundesweiten Schlusslichtern.
Patrick Friedl von den Landtags-Grünen mahnte, Bayern müsse dringend mehr für die Anpassung an zunehmende Hitzeperioden tun. Er warf der Staatsregierung vor, die tatsächliche Belastung in Städten und Gemeinden systematisch zu unterschätzen, da Messwerte aus den Innenstädten nicht ausreichend berücksichtigt würden.
3.000 zusätzliche Todesfälle bundesweit im Hitzejahr 2024
Auch Ärzte warnen. "Die Sommer 2024 und 2025 gehörten weltweit zu den heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen", sagte Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer. Allein im Jahr 2024 seien in Deutschland 3.000 Menschen an den Folgen der Hitze gestorben. Neben den Risikogruppen, wie älteren Menschen oder chronisch Erkrankten, seien etwa 1,7 Millionen Beschäftigte in Bayern bei Hitzewellen stark belastet.
Bei Temperaturen über 30 Grad steige auch bei Kindern das Risiko für behandlungsbedürftige Hitzeschäden um das Achtfache. Für extreme Hitze mit Temperaturen von mehr als 40 Grad seien vergleichbare Vorsorgestrukturen notwendig wie bei Hochwasser oder Waldbränden.
Der Bund Naturschutz in Bayern (BN) hob die Rolle von Vegetation in der Stadt hervor. "Der wirksamste natürliche Schutz gegen Hitze sind Bäume", sagte der BN-Vorsitzende Martin Geilhufe. Straßenbäume und Parks wirkten wie natürliche Klimaanlagen, da sie durch Verdunstung die Umgebungstemperatur senkten und Schatten spendeten.
Doch in Bayerns Städten gingen weiterhin viele Bäume verloren. Zwischen 2012 und 2022 seien in den größten Städten bis zu 300.000 Bäume verschwunden, während im gleichen Zeitraum rund 250.000 nachgepflanzt worden seien.
DUH-Gesamtwertung in Bayern: kein Grün
In der DUH-Studie wurden auch die Beschattung durch Bäume oder andere hohe Vegetation sowie die Versiegelung von Flächen betrachtet. München schnitt in beiden Bereichen bayernweit am besten ab. Dennoch kommt auch die Landeshauptstadt nicht an die beiden einzigen Städte mit grüner Gesamtwertung heran: Kiel in Schleswig-Holstein und Wuppertal in Nordrhein-Westfalen. Untersucht wurden alle 195 deutschen Städte, die mehr als 50.000 Einwohner haben.
Sieben bayerische Städte erhielten eine rote Gesamtwertung: Neu-Ulm, Fürth, Nürnberg, Rosenheim, Aschaffenburg, Bamberg und Schweinfurt. Diese Kommunen weisen laut der Analyse in mindestens zwei der drei Hauptkategorien – Baumschatten, Versiegelungstrend und Hitzebetroffenheit – unzureichende Werte auf.
Schlusslicht war Neu-Ulm. Die Stadt hat beim Zuwachs der Versiegelung mit einem Plus von 1,48 Prozent eine der höchsten Versiegelungsraten der gesamten Studie. Die Stadt liegt zudem beim Baumschatten im Bayernvergleich am Schluss.
Lichtblicke bei der Hitzebetroffenheit
Trotz der insgesamt mäßigen Ergebnisse in Bayern gibt es etwa bei der direkten Hitzebelastung der Bevölkerung einzelne positive Beispiele. Passau erzielt hier mit einem Wert von 13,84 das beste Ergebnis in Bayern und verfehlte eine grüne Einzelbewertung in dieser Kategorie nur knapp.
Obwohl Bayern keine einzige grün bewertete Stadt vorweisen kann, stehen die Kommunen im Freistaat besser da als die absoluten Schlusslichter der Untersuchung, die in Baden-Württemberg liegen. Die Stadt Offenburg steht mit einem Beschirmungsgrad - also Beschattung etwa durch Bäume - von nur 12,78 Prozent bundesweit am Ende der Tabelle.
Hintergrund der Studie
Für den Check wurden neben Sommertemperaturen und Bevölkerungsdichte auch die Versiegelung mit Beton und Asphalt sowie die Zahl schattenspendender Bäume und Grünflächen mit Luftbildern in den Blick genommen. Es handelt sich somit um Schätzwerte, bei denen nicht alle Faktoren berücksichtigt wurden. Neu gepflanzte Bäume gingen etwa weitgehend nicht in die Schätzung ein.
Da Hitzewellen infolge des Klimawandels zunehmen, wird die Anpassung von Städten wichtiger. Die DUH fordert unter anderem eine konsequentere Entsiegelung und mehr Grünflächen.
Eine große Rolle spielte somit bei der Untersuchung die Frage, wie sich die Flächenversiegelung in den einzelnen Städten seit dem Jahr 2018 entwickelt hat und welcher Anteil der Gesamtfläche mit schattenspendender Vegetation bepflanzt ist. Hitze bringt gesundheitliche Risiken vor allem für ältere oder vorerkrankte Menschen.
Kühle Orte
Kühle-Orte-Karten sollen Menschen bei Hitzewellen helfen. München etwa hat gerade seine digitale, interaktive Karte kühler Orte weiterentwickelt und zeigt nun Stellen im Umkreis von 200, 500 oder 1.000 Metern an, die an heißen Tagen Schatten, Abkühlung oder Zugang zu Trinkwasser bieten. Neu ist laut Stadt auch die Darstellung des dreidimensionalen Stadtmodells. Damit können etwa der Schattenwurf von Gebäuden berechnet und somit schattige Routen zu unterschiedlichen Tageszeiten dargestellt werden.
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