
An heißen Tagen drängen viele Menschen in die Freibäder — und mit den Besucherzahlen wachsen auch die Sicherheitsfragen. Ein Badbetreiber in Halle geriet zuletzt bundesweit in Kritik, weil er seit kurzem mit einer umstrittenen Einlassregel versucht, für mehr Sicherheit in seinem Strandbad zu sorgen: Menschen, die nicht ausreichend Deutsch sprechen und die Baderegeln deshalb nicht verstehen, will er im Heidebad nicht mehr einlassen. Die Entscheidung stieß eine Debatte um die Grenzen von Teilhabe und Sicherheit an.
Ein Besuch in einem Leipziger Freibad - und ein Blick darauf, wie wichtig die Sicherheit am und im Wasser ist.
Leipziger Bademeisterin: Strenge Regeln sind wichtig
Im Bad von Antje Silber war es unter der Woche schon am Vormittag voll. Kindergruppen, Rentnerinnen und Rentner, junge Menschen: Alle suchen Abkühlung. Obwohl es in diesen Tagen voll ist, gibt es eine solche Einlassregel wie in Halle in ihrem Bad nicht.
An den meisten Tagen läuft der Betrieb im Sommerbad Kleinzschocher auch ohne größere Vorkommnisse. Allerdings findet die Freibadleiterin Regeln - auch wenn sie auf manche im ersten Moment eher streng wirken - wichtig. So ist bei ihr beispielsweise Essen im Becken verboten. Außerdem müssen kleine Kinder immer im Blick der Eltern sein - die Aufsichtspflicht kann nicht am Einlass abgegeben werden. "Wir machen das hier ja nicht, um die Menschen zu nerven, sondern für ihre Sicherheit", betont die 57-Jährige im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.
Silber ist seit fast 30 Jahren Badleiterin im Leipziger Stadtteil Schleußig. Es seien vor allem unsichere Schwimmer, Kleinkinder ohne Schwimmhilfen und ohne Erwachsene in Reichweite, auf die sie und ihr Team achten, sagt Silber. Auch auf Gruppen, in denen geschubst oder sich gegenseitig untergetaucht wird, und auf ältere Menschen müsse besonders geachtet werden.
Immer wieder kämen auch Jugendliche, die sich "die Hörner abstoßen wollen". Andere wüssten hingegen mittlerweile, dass sie dafür besser nicht zu Silber ins Bad kommen. Sie gingen deshalb lieber an den See.
"Wenn wir das Gefühl haben, es ist unsicher, sprechen wir die Menschen direkt und freundlich an, fragen sie, ob es ihnen gut geht, ob sie eine Pause brauchen oder weisen sie darauf hin, dass sie gegen Regeln verstoßen", so Silber. Wichtig sei ihr dabei immer: freundlich bleiben und niemanden bloßstellen.
Uneinsichtigkeit erschwert den Job
Dennoch reagierten die Menschen nicht immer einsichtig. "Das ist schwierig und hat in den vergangenen Jahren zugenommen", berichtet die 57-Jährige. Immer häufiger fange das Gegenüber an zu diskutieren, wolle nicht akzeptieren, dass bestimmte Dinge nicht erlaubt sind. "Da geht es zum Beispiel um im Wasser essen, durch die Hecke laufen, die Rutsche falsch herum hochklettern oder Kinder nicht ausreichend beaufsichtigen."
Ein Vater habe einmal erwidert, er müsse von ihr nicht belehrt werden. "Doch, das ist mein Job", findet Silber. "Wir haben hier nun mal Hausrecht. Wenn ich zu Hause von meinem Gast möchte, dass er die Schuhe auszieht, macht er das doch auch - ohne zu diskutieren."
Die präventive Kommunikation mit Badegästen ist für Silber und ihr Team ein wichtiger Teil der Arbeit. Oft erklärten sie Badegästen auch die Baderegeln, sagt Silber. "Es gibt immer wieder Leute, die zum ersten Mal herkommen und fragen, worauf sie achten müssen. Das finde ich gut. Immerhin haben die Badegäste auch Verantwortung dafür, dass sie sicher sind."
Umstrittene Einlassregel in Halle
Nach dem Bekanntwerden der neuen Voraussetzung für den Einlass hatte sich unter anderem die Stadt Halle eingeschaltet und von Badbetreiber Mathias Nobel gefordert, die Regel zurückzunehmen. Von mehreren Seiten wurden gleichzeitig alternative Möglichkeiten zur Erhöhung der Sicherheit ins Spiel gebracht, etwa Piktogramme oder mehrsprachige Bademeister.
Badbetreiber Nobel hatte indes Rassismusvorwürfe zurückgewiesen. Er betonte, dass es ihm "ausschließlich um den Schutz von Menschenleben und die Vermeidung von Badeunfällen" gehe.
Mehrsprachigkeit für Eigenverantwortung
Um die Badegäste in die Verantwortung für ihre Sicherheit zu nehmen, liegen im Sommerbad in Leipzig Flyer aus, die auf die geltenden Regeln hinweisen. Über einen QR-Code sind die Baderegeln auch in mehreren Sprachen abrufbar. Vor allem an heißen Tagen sei es wichtig, dass die Menschen ausreichend trinken und essen, Pausen machten, sich im Schatten aufhielten und abduschten, bevor sie ins Wasser gehen. Grundlegend sei auch, dass die Badegäste entspannt, aufmerksam und respektvoll mit anderen umgingen, sagt Silber.
Für den Leiter Bäderbetrieb bei den Leipziger Sportbädern, Martin Hagedorn, ist es wichtig, dass die Menschen in den Bädern mit darauf achten, dass der Betrieb für alle sicher ist. "Deshalb informieren wir die Menschen und ziehen sie mit in die Verantwortung", sagt er.
Nicht ohne Grund lernten Kinder im Schwimmkurs auch Baderegeln. Allerdings habe jedes Bad seine eigenen Herausforderungen, betont er. "Das hängt immer stark vom Einzugsgebiet ab. Jedes Bad hat seine eigenen Regeln. Man muss seine Leute kennen - und entsprechend darauf reagieren."
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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