
Bei Sonnenschein und Hitze hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum zweiten Mal nach 2018 die Kieler Woche eröffnet. Das Staatsoberhaupt gab mit einem Schiffshorn das Signal "Leinen los". Der höchste Repräsentant der Bundesrepublik Deutschland setzte damit die Tradition fort, dass bekannte Politiker die weltgrößte Segelwoche einläuten. Ex-Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die Aufgabe 2006 und 2008 übernommen.
"Gerade in diesen Zeiten brauchen wir Gelegenheiten wie die Kieler Woche, in denen Menschen aus ganz unterschiedlichen Schichten, mit ganz unterschiedlichen Interessen, mit ganz unterschiedlicher Herkunft zusammenkommen und Gemeinsamkeit in diesem Lande spüren", sagte Steinmeier. Gerade wegen allen, die das Land spalten wollten. "Wir müssen zeigen, was uns verbindet - und die Kieler Woche leistet einen Beitrag dazu."
Die Kieler Woche gilt als eine der größten Segelsportveranstaltungen der Welt und ist gleichzeitig ein riesiges Volksfest. 2025 hatte das Sommerfest nach Angaben der Stadt rund 3,3 Millionen Besucher angezogen. Nach Angaben der Stadt kamen diesmal allein zum Eröffnungswochenende bereits mehr als 1,1 Millionen Besucherinnen und Besucher in die Landeshauptstadt.
Premiere für Yilmaz, Gelassenheit für Günther
Zuvor hatte Steinmeier an Bord der "Malizia Explorer" des Seglerstars Boris Herrmann mit Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Kiels Oberbürgermeister Samet Yilmaz (Grüne) eine Runde auf der Förde gedreht. "Mit der Kieler Woche verbindet man auf jeden Fall eine große Lebensfreude, tollen Sport, den besten Segelsport, den es in der Welt gibt, aber natürlich auch ein Volksfest", sagte Günther nach dem Segeltörn.
"Ich glaube, es ist einfach mal extrem wohltuend, mal einfach ganz gelassen und fröhlich unterwegs zu sein", fügte er hinzu. Es gebe genügend Sachen in der Welt, die einem Sorgen bereiten könnten, da sei etwas Gelassenheit wichtig für die Gesellschaft.
Für Yilmaz ist die Kieler Woche die erste als Oberbürgermeister. Im April trat er sein Amt an. "Dass die Kieler Woche einzigartig ist, wusste ich schon immer. Als Oberbürgermeister erlebe ich sie jetzt aber noch einmal aus einer ganz neuen Perspektive", sagte der gebürtige Kieler.
Sport auf dem Wasser, Volksfest an Land
Während sich auf der Kieler Förde Segler aus aller Welt in den unterschiedlichen Bootsklassen messen, läuft an Land entlang des Ufers und an weiteren Orten in der Landeshauptstadt ein Programm aus Kultur, Musik und Vergnügen. Klassiker sind unter anderem der internationale Markt, die Spiellinie oder das Hoftheater. Neu sind etwa die Maskottchenparade an der Kiellinie und die Aktion "KiWo goes Blaupark", die einen Begegnungsort im Sport- und Begegnungspark auf dem Ostufer schafft.
Während der Veranstaltungswoche gibt es rund 500 Konzerte. Auf der Rathausbühne sind unter anderem Kettcar, Mia und Heinz-Rudolf Kunze dabei. Ebenfalls in Kiel erwartet werden auf der Fördebühne Max Giesinger und Michael Schulte. Einen Überraschungsauftritt soll zudem Alexander Marcus am Mittwoch auf der Bühne vor dem Rathaus haben.
WM-Spiele an zehn Orten
Die deutschen WM-Gruppenspiele während des Sommerfests werden auf zwei Großbühnen und bis zu zehn weiteren Flächen gezeigt, wie der stellvertretende Leiter des Kieler Woche-Referats der Stadt, Daniel Lorenzen, im Vorfeld sagte. Dadurch sollen sich die Fußballfans gut auf dem Gelände der Kieler Woche verteilen. Am Eröffnungsabend besiegte die deutsche Elf die Elfenbeinküste mit 2:1. Am Donnerstag ist dann das Spiel gegen Ecuador (22.00 Uhr) zu sehen.
Segler aus mehr als 50 Nationen
Im Kern bleibt es aber eine Regattawoche. Sportlich will sich Kiel nach erfolgreichem Olympiaentscheid in der Stadt als möglicher Austragungsort für olympische Segelregatten präsentieren. Nach Angaben der Veranstalter werden Aktive aus mehr als 50 Nationen in 21 Bootsklassen segeln.
Zu den sportlichen Höhepunkten der Woche zählen neben den Wettbewerben der Olympia-Segler die Deutsche Meisterschaft Inshore der Seesegler und die Weltmeisterschaft in der früheren olympischen Klasse Flying Dutchman. Das Kieler-Woche-Feuerwerk steigt zur Halbzeit am Mittwoch um 23.00 Uhr.
Höhenfeuerwerk mit Laser- und Drohnenshow
Fester Bestandteil der Kieler Woche sind die Marineschiffe. Erwartet werden rund 20 Schiffe aus sieben Nationen mit zusammen mehr als 2.000 Seeleuten. Beim Open Ship konnten Einheiten im Marinestützpunkt besichtigt werden. Geplant waren Vorführungen des Marinehubschraubers Sea Lynx mit Soldaten des Seebataillons, ein Konzert des Marinemusikkorps und der Reservisten Big Band sowie Hundevorführungen des Zolls.
Bei den Traditionsschiffen wird es erstmals ein offizielles Kieler-Woche-Schiff geben. Diese Rolle nimmt nach Angaben der Veranstalter der Großsegler "Mare Frisium" ein. Maritimer Höhepunkt der Festwoche ist die Windjammerparade am kommenden Samstag - angeführt von der "Thor Heyerdahl". Die Festwoche endet dann am Sonntag mit dem traditionellen Höhenfeuerwerk über der Kieler Förde, begleitet von einer Laser- und Drohnenshow sowie synchroner Musik an der Kiellinie.
100 Kontrollen und ein Messerfund
Polizei und Stadt setzen für das Sommerfest weiter auf das in den vergangenen Jahren bewährte Sicherheitskonzept. Die Polizei will sichtbare Präsenz zeigen und mit einer ähnlich hohen Kräftezahl wie in den Vorjahren vor Ort sein. Zahlen nennt sie aber nicht.
Einen Schwerpunkt setzen die Beamten erneut auf Messerkontrollen. Es gilt auf dem Veranstaltungsgelände ein Mitführverbot von Hieb- und Stichwaffen. Auch an den Verbindungswegen zwischen einzelnen Flächen sind Kontrollen möglich.
Das erste Wochenende der Kieler Woche lief aus Sicht der Polizei sehr positiv. Die Zahl der bislang bekanntgewordenen Straftaten liege deutlich unter dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig hätten die Einsatzkräfte eine überwiegend friedliche, respektvolle und ausgelassene Stimmung erlebt, sagte eine Polizeisprecherin.
Polizei und Bundespolizei zählen knapp 60 Straftaten
Insgesamt zählte die Landespolizei von Freitagmittag bis Sonntagmorgen 45 Straftaten - weniger als die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr. 19 Taten fielen davon den Angaben zufolge auf sogenannte Rohheitsdelikte. Gegen elf Personen seien Platzverweise ausgesprochen worden, eine Person habe die Nacht wegen übermäßigen Alkoholkonsums im Polizeigewahrsam verbracht.
Ähnlich äußerte sich die unter anderem für die Bahnhöfe zuständige Bundespolizei. Insgesamt hätten die Beamten 13 Strafanzeigen aufgenommen - nach 21 im Vorjahr. 82 Personen erhielten sogenannte Gefährderansprachen (2025: 355). Außerdem seien 362 Personen kontrolliert und zwölf Verstöße festgestellt worden.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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