
Die massive Ausbreitung der Welse in Baden-Württemberg bereitet Fischern und Wissenschaftlern Sorgen. Der größte einheimische Süßwasserfisch ist sehr anpassungsfähig und profitiert von der Klimaerwärmung, wie der Leiter der Fischereiforschungsstelle Langenargen, Alexander Brinker, sagt. Wo es heute schon Probleme mit der Tierart gibt - und was Experten für die Zukunft befürchten.
Wo gibt es Welse?
Im Neckar, Rhein und Bodensee, aber auch in kleineren Flüssen und Baggerseen findet sich das Tier im Südwesten. In den letzten 20 bis 40 Jahren habe sich der Anteil von Flüssen im Land, in denen der Wels nachgewiesen worden sei, fast verdreifacht, sagt Brinker.
In den Gewässern, in denen der Wels lebt, steigt zudem laut Brinker die Zahl der Tiere deutlich an. Er verweist dabei auf Zahlen, wonach allein im Bodensee die Menge von gefangenem Wels von rund 4,5 Tonnen im Jahr 2020 auf fast acht Tonnen im Jahr 2024 stieg. Bis ins Jahr 1990 waren es demnach pro Jahr noch rund 100 Kilogramm gewesen.
Was ist aktuell das Problem mit den Welsen?
"Er wächst schnell, er wird sehr, sehr groß und sehr alt", sagt der Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes Baden-Württemberg, Ingo Kramer. Welse seien Raubfische. "Sie fressen im Grunde alles, was ihnen vor die Schnauze schwimmt, und wenn sie Hunger haben, schnappen sie zu." Darunter sind nicht nur Grundeln und Krebse, sondern auch Wanderfische wie der Lachs, wie Experte Brinker sagt. "Die Wanderfische, die ja sehr, sehr stark bedroht sind, gehen oftmals durch so Nadelöhre wie zum Beispiel Fischtreppen", sagt der Wissenschaftler. "Und der Wels ist sehr gut da drin, sich an diesen Nadelöhren zu positionieren und da die Wanderfische zum Beispiel wegzufressen."
Laut dem Landesfischereiverband ist dies beispielsweise in der Kinzig im Ortenaukreis der Fall, wo Welse an einem Fischpass warten und wanderwillige Lachse angreifen. "Wir haben sowohl erhebliche Verluste an Lachsen dort festzustellen, als auch Verletzungen an den Lachsen", sagt Kramer. Der Landesfischereiverband setzt sich mit einem Programm für die Wiederansiedlung des Lachses in Baden-Württemberg ein.
Wie groß und schwer können Welse werden?
Der Europäische Wels (Silurus glanis) kann laut Deutschem Angelfischerverband bis zu drei Meter lang werden und bis zu 150 Kilogramm schwer. Aus dem Bodensee wurden bereits mehrfach Welse mit stattlicher Größe gezogen: Ein Exemplar mit 2,43 Meter Länge und 70 Kilogramm Gewicht ist präpariert im Fischereimuseum in Langenargen zu sehen. Aus einem Baggersee in Kirchentellinsfurt zog ein Angler nach Angaben des Fischereivereins Reutlingen einen Wels mit 2,22 Metern Länge und 81 Kilogramm Gewicht heraus.
Wieso breitet sich der Wels so stark im Land aus?
Mit dem Klimawandel erwärmen sich auch die Gewässer - entscheidend für die Ausbreitung des Welses, wie Brinker sagt. Der Wissenschaftler verweist auf Zahlen, wonach zum Beispiel die Temperatur an der Wasseroberfläche des Bodensees von etwa 11 oder 12 Grad im Jahr 1990 auf 13 bis 14 Grad im Jahr 2024 angestiegen ist. Entscheidend sei eine mittlere Jahreslufttemperatur von 10 Grad, sagt Brinker. "Wenn die erreicht wird, dann fängt der Wels an, sich wirklich sehr stark auszubreiten." Dies sei natürlich auch von der Höhenlage abhängig - so habe es im Rhein eine sehr frühe Ausbreitung gegeben und im Donaugebiet eine relativ späte.
Was wird gegen die starke Ausbreitung getan?
Der Wels hat laut dem Regierungspräsidium Karlsruhe ab einer Körperlänge von rund einem Meter keine natürlichen Feinde mehr. So versuchen die Behörden mit Fangmaßnahmen den Bestand zu regulieren. Laut Landwirtschaftsministerium gibt es für den Wels keine Schonzeit und kein Mindestmaß, ab dem er gefangen werden darf. Demnach ist der Wels auch ein ausgezeichneter Speisefisch. Das Regierungspräsidium Karlsruhe verweist unter anderem darauf, dass an den "Hotspots für Welse" die Fischereibehörde gezielt Welse aus dem Rhein und dem Neckar hole. Erwerbsfischer dürften mit Ausnahmegenehmigung auch effizienter Welse mit Elektrofanggerät fangen.
Welche Sorgen bestehen für die Zukunft?
Landesweit sieht Brinker im Moment noch keine Probleme mit dem Wels, auch nicht am Bodensee. Aber ein Ende der Ausbreitung des Welses sei nicht absehbar. So sei der Wels beispielsweise auf der wärmeren iberischen Halbinsel eingesetzt worden und habe sich dort noch deutlich stärker ausgebreitet. "Da hat er große Probleme und große Schäden angerichtet", sagt Brinker. Der Wels habe die heimischen Fischarten sehr stark dezimiert und bestimmte Arten weiter gefährdet, denen es schon schlecht ging. "Das wäre in einer Zukunft, die bei uns so warm ist, bei uns auch vorstellbar."
Inwiefern kann der Wels für Menschen gefährlich werden?
Die größten Tiere, die Welse fangen, sind laut Brinker Entenküken und Tauben. Der Landesfischereiverband spricht zusätzlich von jungen Schwänen. Dass ein ausgewachsener Wels Hunde anfällt oder gar Menschen verletzt, hält Brinker für unrealistisch. In Bayern hatte im vergangenen Sommer nach Polizeiangaben ein zwei Meter langer Wels in einem See mehrere Badende angegriffen und verletzt.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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