
So sind die Candle-Light-Trauungen in der Marktkirche in Hannover längst ausgebucht. Als weiterer Ort wird die Kultkneipe "Extrakt" in der Nordstadt angeboten. In Gleidingen (Laatzen) gibt es Zeremonien in Gebärdensprache.
Segen auch ohne Trauschein
"Wir mussten unsere Kapazitäten aufstocken und haben schon mehr als 50 Anmeldungen", sagt Linda Janssen, Pastorin der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Osnabrück. Am Freitagabend rechne sie mit rund 70 Trauungen und Segnungen. "Es haben sich auch Paare angemeldet, die 30 oder 50 Jahre verheiratet sind und noch einmal den Segen haben wollen", erzählt sie. Wegen der Hitze hält die Gemeinde Wasser und Obst bereit und hat 200 Fächer gekauft.
Auch frisch verheiratete Paare, die im kleinen Rahmen ohne große Organisation kirchlich getraut werden möchten, sind dabei. Ohne Trauschein gibt es bei der Aktion den kirchlichen Segen. In Osnabrück bieten die Kirchengemeinden den Service zwischen 10.00 und 21.00 Uhr in der Kirche St. Katharinen und im Innenhof des Osnabrücker Schlosses an.
Pastoren in Schichten eingeplant
"Die Paare bringen sich und ihre Geschichte mit, feiern ihre Liebe und können sich segnen oder trauen lassen", sagt Andrea Kruckemeyer, Pastorin von St. Katharinen. "Für alles andere sorgen wir: die segnende Person, Musik, Dekoration in Kirche und Schlossinnenhof, Fotos, Getränke zum Anstoßen und ein kleines Törtchen im Anschluss." Mehr als 20 Pastoren sind in Schichten eingeplant.
Auch die Kleidung ist den Paaren freigestellt. "Egal, ob im Brautkleid oder Anzug, egal ob in Jeans oder T-Shirt", betont Kruckemeyer. Gäste seien willkommen, ebenso Paare, "die diesen Moment für sich selbst genießen wollen", sagt Janssen.
Für eine anerkannte Trauung sind eine Kirchenmitgliedschaftsbescheinigung und die Urkunde der standesamtlichen Hochzeit erforderlich. Paare mit unterschiedlichen Konfessionen können gesegnet oder evangelisch getraut werden.
Ausgebuchte Standesämter
Auch in den Standesämtern ist die Nachfrage hoch. In Hannover sind die Kapazitäten mit 34 Eheschließungen ausgeschöpft; geheiratet wird im Alten Rathaus und erstmals im Lindener Turm. Auch in Lüneburg ist der Traukalender mit elf Eheschließungen voll, sie teilen sich auf das Heinrich-Heine-Haus, den Wasserturm und das Kloster Lüne auf.
Im Standesamt Bremen sind 17 von 24 Terminen vergeben. Auch dort beteiligen sich mehrere Kirchen an der bundesweiten Aktion. St. Stephani ist von 14.00 bis 18.00 Uhr geöffnet, mehrere Pastorinnen und Pastoren sind vor Ort.
Markantes Datum als Glücksbringer
Warum sind solche Daten so beliebt? "Viele Paare verbinden mit der Schnapszahl den Wunsch, dass das markante Datum ihnen Glück bringt", sagt Beate Tripp vom Bundesverband der Deutschen Standesbeamtinnen und Standesbeamten.
Der häufigste Grund sei aber, dass man sich den Termin leicht merken könne und die Gefahr geringer sei, den Hochzeitstag zu vergessen. Außerdem mache sich eine Schnapszahl gut auf der Einladung. Schon am 26.2.2026 habe es viel Nachfrage gegeben, obwohl der Februar kein klassischer Heiratsmonat sei. Viel beliebter seien Mai bis September.
Heiraten im Stadion oder Feuerwehrhaus
Zunehmend gefragt sei auch ein besonderer Rahmen für die standesamtliche Trauung, sagte Tripp. Geheiratet werde etwa in Schlössern, Burgen oder Museen. Das habe auch damit zu tun, dass viele Paare nicht mehr kirchlich heiraten.
Nur noch jeder Zweite ist verheiratet
Trotz hoher Nachfrage im Juni – langfristig sinkt die Zahl der Menschen, die heiraten: Die neuesten Zahlen stammen von 2024, damals wurden in Deutschland 349.200 Ehen geschlossen, der niedrigste Stand seit Beginn der Statistik 1950. Gut 97 Prozent der Ehen schlossen verschiedengeschlechtliche Paare, knapp drei Prozent gleichgeschlechtliche Paare.
Zahl und Anteil der Verheirateten sinken laut Statistischem Bundesamt seit Jahren nahezu kontinuierlich. Ende 2024 war knapp jede zweite erwachsene Person in Deutschland verheiratet, 30 Jahre zuvor waren es noch rund 60 Prozent.
Auch bis zum ersten Ja-Wort dauert es länger. Das Durchschnittsalter stieg binnen 30 Jahren um rund sechs Jahre. 2024 waren Frauen bei ihrer ersten Heirat im Schnitt 32,9 Jahre alt, Männer 35,3 Jahre. 1994 hatte das Durchschnittsalter der Frauen bei 27,1 Jahren gelegen, das der Männer bei 29,4 Jahren.
Aber auch bis zur Scheidung dauert es inzwischen länger: Die Durchschnittsdauer einer Ehe bis zur Scheidung betrug 2024 14,7 Jahre und 1994 12,0 Jahre.
Unsicherheit senkt Bindungsbereitschaft
Der Berliner Psychotherapeut und Buchautor Wolfgang Krüger erklärt die sinkende Zahl der Hochzeiten auch mit allgemeiner Unsicherheit durch Kriege und schwache Wirtschaftszahlen. "In solchen Zeiten sinkt die Bindungsbereitschaft."
Menschen würden in unsicheren Zeiten vorsichtiger und zurückhaltender. "Die gesellschaftliche Atmosphäre schlägt immer auf das individuelle Leben durch", sagt Krüger.
Ehen als "geprüfte Beziehungen"
Zugleich seien Ehen stabiler geworden, weil später geheiratet werde, sagte Krüger. "Man ist erwachsen, hat bereits Berufserfahrungen gemacht, man kennt sich eine Weile, man lebt zusammen. Das heißt, wir haben sogenannte geprüfte Beziehungen."
Diese Beziehungen unterschieden sich deutlich von früheren Ehen. Heute falle die Entscheidung zur Ehe häufiger aus freien Stücken. "Man kann sagen, heute heiratet man aus Liebe", sagt Krüger.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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