
Der Wolf ist wieder frei. Knapp eine Woche nach dem Angriff auf eine Frau in einer Hamburger Einkaufspassage hat das Jungtier seine Gefangenschaft in einer Wildtierauffangstation bei Sachsenhagen im niedersächsischen Landkreis Schaumburg hinter sich gelassen. Der Wolf sei am Ostersonntag ausgewildert worden. Wo das Tier jetzt ist, sagt die Umweltbehörde "im Sinne des Tierschutzes" nicht.
Für den Wolf beginnt ein neues Leben
"Mit der Auswilderung beginnt für den Wolf nun ein neues Leben – hoffentlich abseits der Stadt in der Natur, wo er sich wohlfühlt", sagt Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne). Sie stellt aber auch klar: "Es ist eine Auswilderung auf Bewährung."
Denn der Wolf sei nun mit einem Sender ausgestattet und der Standort des Tieres den Behörden zu jeder Zeit bekannt. Jäger könnten somit im Zweifel unmittelbar eingreifen, wenn er sich beispielsweise wieder einer Siedlung nähere. Nach Behördenangaben wird der Wolf im Rahmen des LIFE Wild Wolf-Projekts länderübergreifend überwacht.
Ganz wohl war der Senatorin offensichtlich nicht
So ganz wohl war der Senatorin zunächst bei dem Gedanken offensichtlich nicht, den Wolf einfach wieder laufen zu lassen. So hatte sie bereits vergangene Woche gesagt: "Er hat das einmal getan, tut er das wieder?". Vorstellbar sei eine Situation, in der der Wolf auf einen Schulhof oder in eine Kita hinein laufe. "Das ist eine Situation, die ich mir nicht verzeihen würde", sagte Fegebank.
Was war überhaupt passiert? Der Wolf war erstmals am letzten Märzwochenende im Westen der Stadt gesichtet worden. Am folgenden Montagabend (30.3.) hatte er sich dann in eine kleine, wenige Meter breite Einkaufspassage an der Großen Bergstraße im Stadtteil Altona-Altstadt verirrt und dort eine etwa 60 Jahre alte Frau verletzt. Anschließend rannte der Wolf mehrere Kilometer durch die Hamburger Innenstadt und sprang schließlich in die Binnenalster, wo ihn die Polizei einfangen und zunächst in das Wildgehege Klövensteen bringen konnte.
Behörde: Wolf hat Frau gebissen
Nach Angaben der Umweltbehörde hatte der Wolf die Frau gebissen, als diese mutmaßlich auf das in der Passage gefangene und panische Tier zugegangen sei, um es durch die gläsernen Automatiktüren nach draußen zu lassen. Das Bundesamt für Naturschutz sprach danach vom ersten Angriff eines Wolfs gegen einen Menschen in Deutschland seit der Wiederansiedlung der Tiere 1998. Auch angesichts dieser Tragweite gab es für die Senatorin danach nicht nur die Option freilassen, sondern auch töten oder dauerhaft wegsperren.
Das brachte aber umgehend Naturschützer auf den Plan, die bezweifeln, dass der Wolf die Frau überhaupt gebissen hat. Sie verweisen etwa auf eine Zeugin, die gesehen haben will, dass der Wolf die Frau nur angesprungen habe. Die Textilhändlerin mit eigenem Geschäft in der Passage sagte dem "Hamburger Abendblatt": "Es sah eher so aus, als hätte der Wolf sie beim Anspringen mit seiner Pranke im Gesicht getroffen." Außerdem argumentieren die Naturschützer: Es sei unwahrscheinlich, dass das Opfer bei einem Wolfsbiss hätte lediglich ambulant behandelt werden können.
Mahnwache für den Wolf am Ostersonntag
Unterstützer des Wolfs machten sich daher am Ostersonntagnachmittag bei einer Mahnwache an dem Ort für die Freilassung des Wolfs stark, an dem er eingefangen worden war. Nach Veranstalterangaben kamen bis zu 150 Tierfreunde, einige von ihnen brachten ihre Hunde mit, andere trugen Schilder mit der Aufschrift "Lasst ihn zurück in seine Freiheit", "Ich bin keine Trophäe" oder "Der Wolf soll bleiben".
"Mit der Auswilderung haben wir für diesen Wolf nun eine rechtssichere Lösung gefunden, die die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger und das Tierwohl berücksichtigt", sagt Fegebank. Vor einer Entscheidung seien mit Expertinnen und Experten sämtliche Optionen abgewogen worden. Die Behörde erklärt, den Wolf zu töten, sei aus rechtlichen Gründen nicht möglich und eine Unterbringung in einem Wildgehege scheitere auch an praktischen Dingen - was zuvor auch schon mehrere Wolfexperten gesagt hatten.
Schafzüchter empört: Entscheidung politisch motiviertes Wegsehen
Scharfe Kritik kommt dagegen vom Förderverein der Deutschen Schafhaltung (FDS). "Ein Wolf verletzt einen Menschen mitten in der Stadt – und die Antwort des Staates ist, ihn wieder freizulassen und zu beobachten", sagt der FDS-Vorsitzende Wendelin Schmücker. Das sei kein verantwortungsvolles Wildtiermanagement, "das ist politisch motiviertes Wegsehen".
Aus seiner Sicht wäre das Töten des Wolfs rechtlich möglich gewesen. . Stattdessen werde sehenden Auges ein weiteres Risiko in Kauf genommen. Offenbar müsse erst noch mehr passieren, bevor gehandelt werde. "Das ist gegenüber der Bevölkerung nicht vermittelbar – und gegenüber den Tierhaltern schon lange nicht mehr."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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