
Ein Wolf verirrt sich in die Großstadt und verletzt eine Frau. Viele Fragen bleiben offen, doch eins ist klar: Es ist laut Behörden der erste Angriff eines Menschen, seit sich das Tier in Deutschland wieder ausgebreitet hat. Die wichtigsten Fragen und Antworten:
Was ist wo passiert?
Der Wolf hat sich in die Großstadt verirrt – und griff den Behörden zufolge am Montagabend in einer Einkaufspassage in Hamburg-Altona eine Frau an. Danach flüchtete er bis an die Binnenalster, wo er später eingefangen und in einem Wildtiergehege untergebracht wurde.
Wie kam es dazu?
Viele Fragen sind noch offen. Experten der Deutschen Wildtierstiftung und des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) gehen davon aus, dass es sich um ein Jungtier handelte, das – wie üblich – seine Familie verlassen musste und auf der Suche nach einem neuen Territorium versehentlich in die Stadt gelangte.
Wie ungewöhnlich ist der Vorfall?
"Es gab noch keinen solchen Fall seit der Wiederansiedlung seit 1998", sagte eine Sprecherin des Bundesamts für Naturschutz der Deutschen Presse-Agentur.
Trotzdem ist der Wolfs-Experte der Deutschen Wildtierstiftung, Klaus Hackländer, nicht überrascht. "Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Wolf in eine Siedlung oder sogar in eine Stadt geht, ist groß aufgrund der hohen Anzahl an Wölfen, die wir mittlerweile haben." Es habe sich eine große Population mit einigen Tausend Wölfen in Deutschland aufgebaut.
Rund 150 Jahre lang galt der Wolf in Deutschland als ausgerottet. Erst nach dem Mauerfall kamen mehrere Tiere über Polen nach Deutschland zurück. Das Bundesamt für Naturschutz dokumentiert die Ausbreitung der Tiere in der Bundesrepublik. Jüngsten Zahlen zufolge wurden zuletzt 219 Wolfsrudel, 43 sogenannte territoriale Paare und 14 territoriale Einzeltiere bestätigt (Stand: Oktober 2025). Vor allem im Osten und Norden des Landes sind Wölfe verbreitet.
Müssen wir also jetzt häufiger beim Einkaufen mit Wölfen rechnen?
"Es ist durch die hohe Anzahl an Wölfen, die wir mittlerweile in Deutschland haben, sehr wahrscheinlich, dass so ein Wolf auch mal in die Innenstadt hineingeht – wo soll er denn sonst hin? Deutschland ist ja schon sehr zersiedelt, und es gibt nicht sehr viel Wildnis", erklärt Hackländer.
Allerdings bedeuten Städte Experten zufolge für Wölfe Stress: Lärm, Beleuchtung und Menschen machen den eigentlich scheuen, nachtaktiven Tieren zu schaffen. Wölfe in urbanen Räumen haben sich also in der Regel verirrt. "Das ist ein Lebensraum, der ihm schlicht und einfach Angst macht", erklärt der Wolfs-Experte vom BUND, Thomas Norgall. Wölfe würden normalerweise den Menschen meiden – "den fürchten sie nämlich".
Wieso biss der Wolf dann in diesem Fall zu?
Darüber lässt sich bislang nur spekulieren – allerdings haben Experten eine klare Hypothese. Der mutmaßlich junge Wolf habe sich womöglich in die Stadt verirrt und dort Angst bekommen. "In der Stadt gibt es so viele Eindrücke, die ihn stressen – der Verkehr, die Lichter, der Lärm und so weiter. Und dann wird er vielleicht noch in die Enge gedrängt oder fühlt sich in die Enge gedrängt", mutmaßt Hackländer. "Dann reagiert der Wolf einfach im Affekt und greift natürlich auch an." Aber: "Der Mensch ist nicht im Beuteschema, vor allen Dingen nicht der erwachsene Mensch."
Und wie sieht es mit Kindern aus?
Von der Größe her passen diese Hackländer zufolge eher ins Beuteschema. "Die Märchen kommen nicht von ungefähr", meint er mit Blick auf die Geschichte von Rotkäppchen. "Wenn ein Wolf hungrig ist, dann nimmt er sich das, was er glaubt, packen zu können." Rehe oder Schafe seien etwa die klassische Beutegröße.
Wie geht Deutschland mit dem Wolf um?
Weil es bislang keine Vorfälle wie in Hamburg gab, stand der Schutz des Menschen in der Debatte um den Wolf bislang nicht im Vordergrund. Vielmehr sorgten Risse von Nutz- und Weidetieren dafür, dass sich unter anderem Landwirte für den vermehrten Abschuss von Wölfen einsetzten.
Die Bundesregierung hat jüngst neue Regeln auf den Weg gebracht, mit denen Wölfe in Deutschland künftig leichter abgeschossen werden dürfen. Der Bundesrat stimmte in der vergangenen Woche der Aufnahme des Wolfes als jagdbare Tierart in das Bundesjagdgesetz zu. Damit können die Länder nun die Jagd in jenen Regionen erlauben, wo sich der Wolf in einem günstigen "Erhaltungszustand" befindet, wo er also gute Chancen auf einen langfristigen Fortbestand hat. Als Jagdzeit ist dann der Zeitraum von Juli bis Oktober vorgesehen.
Wenn ein Wolf Weidetiere getötet oder verletzt hat, darf er auch unabhängig von Erhaltungszustand und Jagdzeit geschossen werden. Darüber hinaus können die Länder Gebiete bestimmen, in denen die Jagd auf den Wolf erforderlich ist, weil Weidetiere dort schwer zu schützen sind – etwa auf Almen oder Deichen.
"Niemand will den Wolf ausrotten, er hat sich bei uns als Teil der Tierwelt etabliert", sagte Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) dazu. "Wenn aber Weidehaltung vielerorts schlicht nicht mehr stattfinden kann, haben wir einen klaren Handlungsauftrag."
Und was sagen Naturschützer?
Tier- und Umweltschützer begrüßen die Ausbreitung des Wolfes und plädieren dafür, die Tiere nur in Ausnahmefällen abzuschießen. Stattdessen sollten Landwirte beim Schutz ihrer Herden unterstützt und unbürokratisch entschädigt werden, wenn es zu Rissen ihrer Weidetiere komme, fordert etwa der BUND auf seiner Internetseite.
Dem BUND-Experten Norgall zufolge hält die Organisation auch nach dem Vorfall von Hamburg an ihren Positionen fest. "Aus einem solchen unglücklichen Einzelfall kann man nichts ableiten", so Norgall. Ähnliche Fälle seien nicht bekannt. Grundsätzlich gelte aber: Die Gesundheit des Menschen habe oberste Priorität.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
Weitere aktuelle News im Ressort "Panorama":
NEUESTE BEITRÄGE
- 1
Basketball Löwen vs. Würzburg Baskets im Livestream: Ausgangslage, Tickets und Anfahrt zum BBL-Duell in Braunschweig25.10.2026 - 2
Fußball News: DFB kooperiert mit Antirassismus-Organisation02.04.2026 - 3
Basketball: Bologna und Nationalmannschaft: Doppeljob für Coach Mumbrú19.06.2026 - 4
Tennis News: Trotz Satzrückstand: Zverev in München im Halbfinale17.04.2026 - 5
Wimbledon: Marta Kostyuk überwältigt Anna Blinkova02.07.2026
Ähnliche Artikel
New Orleans Pelicans vs. Denver Nuggets heute live: NBA-Liveticker & Spielstand29.10.2026
Chicago Bulls vs. New York Knicks heute live: NBA-Liveticker & Spielstand29.10.2026
Milwaukee Bucks vs. Houston Rockets heute live: NBA-Liveticker & Spielstand29.10.2026
Minnesota Timberwolves vs. Golden State Warriors heute live: NBA-Liveticker & Spielstand29.10.2026
Toronto Raptors vs. Orlando Magic heute live: NBA-Liveticker & Spielstand29.10.2026
Indiana Pacers vs. Philadelphia 76ers heute live: NBA-Liveticker & Spielstand29.10.2026
Detroit Pistons vs. Charlotte Hornets heute live: NBA-Liveticker & Spielstand29.10.2026
Cleveland Cavaliers vs. Washington Wizards heute live: NBA-Liveticker & Spielstand29.10.2026
Atlanta Hawks vs. Miami Heat heute live: NBA-Liveticker & Spielstand29.10.2026
Fußball News: FC Liverpool nach Elfer-Krimi im Viertelfinale28.10.2026
Abgebrochener Start: Reifenplatzer auf Startbahn - Schreck für Ralf Schumacher28.10.2026
2. Runde: Aus im DFB-Pokal: Wagner und Hannover tief in der Krise28.10.2026
DFB-Pokal: Was ist eine Hirnhautreizung?28.10.2026
Fußball-WM: Bericht: FIFA nimmt knapp fünf Milliarden mit WM-Tickets ein28.10.2026
Abschiedstour: "Spatz von Avignon": Mireille Mathieu sagt Deutschland Adieu28.10.2026
DFB-Pokal: Kompany nach Hirnhautreizung aus Krankenhaus entlassen28.10.2026
Eilmeldung: Bayerns Kompany nach Hirnhautreizung aus Klinik entlassen28.10.2026
Handball: Remis in Skopje: Melsungens Handball-Märchen geht weiter28.10.2026
DFB-Pokal: SC Freiburg gewinnt Fünf-Tore-Krimi gegen Wolfsburg28.10.2026
DFB-Pokal: Mit Mühe gegen Dorfclub: Hertha erreicht Pokal-Achtelfinale28.10.2026



