
Buntmetalldiebe stehen im Verdacht, den tragischen Hauseinsturz in Görlitz mit drei Todesopfern verursacht zu haben. Immer wieder hat der dreiste Klau wertvoller Metalle größere Auswirkungen: im Bahnverkehr, im Stromnetz oder auf Baustellen.
Erst vor wenigen Tagen sorgten Metalldiebe im Raum Bitterfeld für Bahnausfälle im Nah- und Fernverkehr mit Auswirkungen bis nach Sachsen. Angesichts gestiegener Rohstoffpreise sind nicht einmal Friedhöfe sicher vor Diebstahl, wie der Klau von Messing-Ornamenten von Gräbern im Januar in Döbeln zeigt. Und immer wieder kommt es zum Diebstahl etwa von Kabelrollen bei Unternehmen und von Baustellen.
Wie groß das Phänomen ist, lässt sich für Sachsen nicht beziffern. Das Landeskriminalamt in Dresden erklärt auf Anfrage, das Thema Buntmetallklau nicht gesondert zu erfassen. Weder gibt es Zahlen zu abgeschlossenen noch zu laufenden Verfahren. In Sachsen-Anhalt jedoch, wo die Zahlen erfasst werden, hat sich der durch Buntmetalldiebe verursachte Schaden im vergangenen Jahr verdoppelt. Fast 500 Fälle, bei denen es um den Klau von Kupfer und Buntmetall ging, verursachten demnach 2025 rund drei Millionen Euro an Schäden – vor allem bei Unternehmen.
Hohe Preise, hoher Anreiz
Klar ist auch: Irgendwie machen die Diebe ihre Beute offensichtlich zu Geld. Wertstoffhöfe und Entsorger sind zunehmend sensibilisiert für das Thema. Eine Tonne Kupfer bringe im Ankauf bei Entsorgern aktuell bis zu 8.000 Euro, schätzt Jens Thieme, Pressesprecher beim Entsorger Alba.
Das Entsorgungs- und Recyclingunternehmen mit Sitz in Berlin hat auch Standorte in Sachsen und Sachsen-Anhalt. "Also was wir alles erlebt haben, sind Eisenbahnschienen, die rausgeschnitten werden. Wir hatten auch mal den Fall, dass dann irgendwo eine Bronzestatue angeliefert wurde und die war dann irgendwo von einem Marktplatz geklaut. Das Beliebteste sind aber tatsächlich Kabeldiebstähle", schildert Thieme.
Wenn sich die Anzeichen verdichten, dass es sich um Diebesgut handelt, werde dieses in der Regel nicht angenommen. Typische Warnzeichen seien etwa nicht nur ungewöhnliche Gegenstände, sondern auch ungewöhnlich große Mengen an Buntmetall, mit denen Privatpersonen bei Annahmestellen auftauchen.
Ohnehin habe der Entsorger seit Jahren das Bargeldgeschäft bei seinen Annahmestellen abgeschafft. So müssen sich Anbieter von Altmetallen und anderen Rohstoffen mittlerweile ausweisen. Gezahlt wird ausschließlich auf konkrete Bankverbindungen. Das geschehe aus Compliance-Gründen und weil es die Buchhaltung erleichtere, so Thieme. Gleichzeitig erschwere es aber auch den Verkauf von Diebesgut.
Erdkabel aus "Opas Garten"
Es sei bei Kabeln und Kupferleitungen im Alltag mitunter fast unmöglich, Diebesgut zu erkennen, sagt Helder Leite, der Leiter der Dresdner Wertstoffhöfe beim Entsorgungsunternehmen Nestler. "Das ist natürlich im Nachhinein schwierig, weil das sieht alles gleich aus", sagt er.
Dennoch helfe die langjährige Erfahrung beim Erkennen dubioser Anbieter. "Bei mir muss keiner mit einer Oberleitung von der Bahn ankommen – ich weiß, dass man das nicht kaufen kann."
Fälle dubioser Angebote würden mit steigenden Rohstoffpreisen immer häufiger auftreten, berichtet Leite. Immer wieder höre er kuriose Geschichten: So seien ihm massive Erdkabel angeboten worden, die angeblich in "Opas Garten" gefunden worden sind. In diesem und ähnlichen Fällen verweigere er die Annahme. Das Material sei kurz darauf wenige Meter vom Hof entfernt weggeworfen gefunden worden, "obwohl es sehr wertvoll war".
Bundesverband: Seriöse Betriebe prüfen auffällige Konstellationen
Es sei zunehmend schwierig für Diebe, ihre Ware bei Entsorgern zu Geld zu machen, berichtet der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDEV) auf dpa-Anfrage: "Die seriöse Recyclingwirtschaft hat ein erhebliches Eigeninteresse daran, gestohlene Ware aus den Stoffströmen herauszuhalten", sagte Pressesprecher Dirk Böttner-Langolf. Insbesondere für gewerbliche Kunden würden ohnehin strenge Dokumentationspflichten gelten. Doch auch für Privatkunden gelte in der Regel, dass Name und persönliche Daten erfasst werden und auch ein Ausweisdokument verpflichtend ist.
"Seriöse Betriebe prüfen insbesondere auffällige Konstellationen: etwa ungewöhnliche Mengen, Material, das typischerweise aus Infrastruktur stammt, frische Kabelabschnitte, Bahntechnik, Gullydeckel, Grabplatten, Dachrinnen, industrielle Spezialmaterialien oder Anlieferungen, die nicht zum Profil des Anlieferers passen", so Böttner-Langolf. Bei Verdachtsmomenten sollte nicht nur die Annahme verweigert, sondern auch die Polizei eingeschaltet werden, empfiehlt er.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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