
Auf dieses eine Foto musste Gianni Infantino verzichten. Breit grinsend posierte der FIFA-Chef in Vancouver mit allen Verbandspräsidenten aus Asien, deren Teams sich für die WM im Sommer qualifiziert haben. Doch ein Vertreter aus dem Iran fehlte beim Kongress des Kontinentalverbands AFC an seiner Seite. Dies befeuerte sechs Wochen vor Turnierstart die Dauerdiskussion: Wird das iranische Team inmitten des Kriegs mit den USA wirklich bei der Weltmeisterschaft im Land des politischen Feindes antreten?
Das spricht gegen eine WM-Teilnahme des Iran
Die Entscheidung, ob Irans Nationalteam am 15. Juni (Ortszeit) nahe Los Angeles gegen Neuseeland in seine siebte WM startet, liegt vornehmlich nicht bei den Fußballverbänden. Der Blick geht vor allem zu US-Präsident Donald Trump. Der FIFA-Friedenspreisträger riet dem Iran erst im März von einer Teilnahme ab und führte Sicherheitsbedenken an. Viel hängt vom Verlauf des militärischen Konflikts ab. Derzeit gilt zwar eine Waffenruhe, die Verhandlungen über eine dauerhafte Beilegung des Kriegs sind jedoch ins Stocken geraten.
US-Außenminister Marco Rubio erklärte zuletzt, dass die Entscheidung über eine WM-Teilnahme beim Iran liege. Gleichzeitig sagte er aber auch: "Das Problem mit dem Iran wären nicht die Sportler. Es wären einige der anderen Leute, die sie mitbringen wollen."
Zentral ist deshalb die Frage, ob neben den Spielern auch Offizielle wie Verbandspräsident Mehdi Tadsch ein US-Visum erhalten werden. Im Dezember konnte er nicht an der WM-Auslosung in Washington teilnehmen.
Dass iranische Funktionäre derzeit in Vancouver fehlen, ist auch mit Visumsproblemen begründet, wie die Deutsche Presse-Agentur vom iranischen Verband erfuhr. So hätte ein Antrag im Ausland gestellt werden müssen, da es in Kanada keine Botschaft gebe. Zudem habe die Gefahr einer Ablehnung für die Funktionäre bestanden, da derzeit nur Spieler und Trainerstab für ein Visum berechtigt sind. In einer Ansage beim AFC-Kongress wurde lediglich verkündet, dass die iranischen Funktionäre von Infantino für die WM-Qualifikation geehrt werden sollen, "sobald sie ankommen".
Ein Sonderbeauftragter von Trump legte kurz vor Beginn des FIFA-Kongresses am Donnerstag mit seinen Gedankenspielen nach, den Iran durch das nicht qualifizierte Italien zu ersetzen. Dieses Szenario habe eine Wahrscheinlichkeit von mehr als "50 Prozent", behauptete Paolo Zampolli in der Sendung "La Politica nel Pallone". "Wenn man Leute schickt, die in den Vereinigten Staaten nicht willkommen sind, ist es besser, sie kommen gar nicht erst."
Das spricht für eine WM-Teilnahme des Iran
Die FIFA versucht, jeden Zweifel zu zerstreuen. Weltverbandspräsident Infantino machte das Thema zur Chefsache, reiste zu einem iranischen Testspiel nach Ankara, verkündete vor zwei Wochen, dass der Iran "auf jeden Fall" teilnehmen werde. Sollte dies fehlschlagen, könnte dies als persönliche Niederlage gewertet werden.
Auch die Signale aus der islamischen Republik selbst deuten nicht auf einen Boykott hin. Ein Sprecher der iranischen Regierung ließ zum Start des Trainingslagers vor einer Woche in Teheran wissen, dass sich die Nationalmannschaft auf eine "stolze und erfolgreiche Teilnahme" vorbereitete. Erst am Dienstag veröffentlichte das Team via Instagram wieder Bilder der Übungseinheiten. "Stand jetzt nehmen wir teil", betonte Verbandschef Tadsch zuletzt.
Heute beginnt Irans Verband mit dem Vertrieb der Eintrittskarten, die die FIFA für Fans aus dem fußballverrückten Land zugeteilt hat. Beobachter in Teheran rechnen wegen der politischen Spannungen, schwieriger Visumslage und hohen Preisen kaum mit einer großen Präsenz von Fans, die direkt aus dem Iran kommen.
So geht es nun weiter
Offiziell steht das Thema Iran nicht auf der Agenda für den FIFA-Kongress in Vancouver. Die Debatte wird jedoch bleiben. Auch wenn sein Plan selbst in Italien auf breite Ablehnung stieß, kündigte Trumps Sonderbeauftragter Zampolli an, rund um das Formel-1-Rennen am Wochenende in Miami mit Infantino über das Thema sprechen zu wollen.
Sollte der Iran letztlich doch nicht bei der WM dabei sein, wäre das Gezerre nicht sofort beendet. Der Fall ist nicht konkret in den Statuten geregelt. Nach Angaben der FIFA müsste das Team zwar ersetzt werden - unklar ist aber, nach welchen Kriterien ein Nachrücker bestimmt würde.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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