
Sie marschieren zu Tausenden in Schottenröcken durch die Stadt, verwandeln die Baseball-Heimstätte der Boston Red Sox in eine Außenstelle von Glasgow und trinken die Bars leer: Die Chance auf den historischen Einzug in die K.o.-Phase einer WM versetzt die feierwütigen Fans der Schotten in Boston in einen kollektiven Ausnahmezustand.
Man mag sich kaum ausmalen, was los sein wird, sollten die Nordeuropäer am Samstag (00.00 Uhr/MagentaTV) gegen Marokko den nächsten Sieg einfahren und damit erstmals in ihrer Geschichte die Gruppenphase überstehen.
"Wir wissen, dass wir die besten Fans der Welt haben, und wir wissen auch, wie lange sie auf diesen Moment gewartet haben. Sie werden ihn so oder so genießen, aber unsere Aufgabe ist es, ihnen echte Momente zu schenken, über die sie jubeln können", sagte Kapitän Andrew Robertson.
Bar-Besitzerin: "So etwas haben wir noch nie erlebt"
Das 1:0 gegen Haiti war der erste schottische WM-Sieg seit 36 Jahren. Seitdem gleicht Boston einer Partymeile. "Wir sind seit über 30 Jahren hier, und so etwas haben wir noch nie erlebt. Wir haben den Umsatz vom St. Patrick’s Day verdreifacht", sagte Noelle Somers, Geschäftsführerin der Hennessy’s Bar, dem "Boston Globe". Am Abend nach dem Auftaktsieg gegen Haiti sei das Bier ausverkauft gewesen. "Die schottischen Fans haben den Spaß in die Stadt zurückgebracht, den wir über den Winter verloren hatten."
Das Samuel Adams Boston Taproom meldete, dass die Besucher das gesamte Lager innerhalb weniger Tage austranken. "Sie trinken alles", berichtete auch Jennifer Monastesse, Mitinhaberin eines Irish Pubs im Zentrum. Um auf das kommende Wochenende besser vorbereitet zu sein, wurde eine extra Lieferung bestellt. Außerdem stehen deutlich mehr Kühlschränke bereit als gewohnt.
"Jetzt gewinnen wir das Ding"
Rund 30.000 Schotten sollen für die WM-Spiele über den Atlantik gereist sein. Dazu kommen etwa 10.000 Bostoner mit schottischen Wurzeln. Entsprechend fühlte sich der Auftaktsieg gegen Haiti wie ein Heimspiel an. "Diese Energie der Fans überträgt sich auf die Mannschaft", berichtete Robertson. Dass das 1:0 mühsam, glanzlos und eigentlich kein Mutmacher war, störte offenbar niemanden. Im Gegenteil: "Jetzt gewinnen wir das Ding", brüllte ein Fan.
Eingehüllt in ihre blau-weißen Flaggen fluten die Schotten gefühlt jeden Winkel in Boston. Tagsüber flaniert man im Park oder am Hafen, bevor ab dem späten Nachmittag die Kneipen im Zentrum belagert werden. Spätestens dann wird die inoffizielle WM-Hymne "No Scotland, no Party" im Dauertakt geschmettert.
Neuengland oder Neuschottland?
Bislang läuft alles friedlich, wie die Polizei der dpa bestätigte. Ihre Hauptaufgabe bestehe darin, Statuen von Verkehrshütchen zu befreien. Fast jede Skulptur - egal, ob Enten oder Affen - in der Stadt trägt mittlerweile solch einen orange-weißen Kegel - genau wie die des Duke of Wellington in Glasgow. Und zu den Haupt-Attraktionen gehören längst nicht mehr das Museum der Boston Tea Party oder der Freedom Trail, der historische Sehenswürdigkeiten verbindet, sondern Dudelsackspieler in Schottenröcken.
"Benennt Neuengland in Neuschottland um", forderte der 83 Jahre alte und extra angereiste Schottland-Fan Noel im Gespräch mit dpa und berichtete mit einem Augenzwinkern: "Schottland ist zurzeit geschlossen, alle sind hier."
"Ich habe hier 26 Superstars"
Alle träumen sie vom historischen Einzug in die K.o.-Phase. Den unrühmlichen Negativrekord, als erste Nation bei neun WM-Teilnahmen neunmal in der Vorrunde auszuscheiden, will niemand knacken.
Trainer Steve Clarke machte den Anhängern Mut: "Ich habe hier 26 Superstars. Alles, was wir in den letzten sieben Jahren aufgebaut haben, basiert auf der Mannschaft, darauf, dass alle zusammenhalten und zu den entscheidenden Zeitpunkten ihren Beitrag leisten."
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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