
Im riesigen WM-Stadion von Houston müssen die Spieler auf dem Weg zum Mannschaftsbus in einem abgetrennten Bereich an Hunderten Medienschaffenden vorbei - und sie werden eigentlich immer angesprochen. Cristiano Ronaldo nicht. Mit starrem Blick schritt der Portugiese durch eine plötzlich skurrile, weil ehrfurchtsvolle Stille hinaus in die Mittagshitze. Die drängenden Fragen wären allerdings auch nicht angenehm gewesen.
Nach dem enttäuschenden 1:1 gegen den Außenseiter Demokratische Republik Kongo drängt sich wieder einmal die Frage auf, ob das mittlerweile mit so viel Klasse gesegnete portugiesische Team ohne Ronaldo nicht besser wäre. Der 41-Jährige blieb zum Auftakt seiner sechsten Fußball-WM weitgehend wirkungslos.
Darum wäre Portugal ohne Ronaldo besser
Auf nur wenige Ballberührungen und drei Abschlüsse kam der Starspieler während der 90 Minuten plus Nachspielzeit, keiner ging auf das kongolesische Tor. Wie in den vergangenen Monaten besetzte Ronaldo die zentrale Position im Sturm und lauerte da auf die Zuspieler seiner Mitspieler. Große Laufarbeit leistet der inzwischen in Saudi-Arabien spielende, mehrfache Weltfußballer nicht mehr. Zum Teil wirkte eher wie ein Fremdkörper als der Zielspieler schlechthin.
Der deutsche Ex-Nationalspieler Christoph Kramer sagte vor dem Anstoß im ZDF, ihn würde interessieren, "wenn man dem ganzen Kader Wahrheitsserum gäbe, wer dann sagen würde: Lieber mit oder ohne Ronaldo". Er glaube, dass "diese portugiesische Mannschaft so mit Weltklasse gespickt ist, dass er ihnen auch ein bisschen was nehmen kann". Der frühere Bundesliga-Trainer Christian Streich stimmte zu: "Die Defensive von Portugal spielt mit einem Mann weniger und das ist sehr schwer zu kompensieren."
Das Mittelfeld der Portugiesen mit den Paris-Spielern Vitinha und João Neves gehört zu den besten der Welt - und lebt vor allem auch von einem temporeichen Kombinationsspiel. Ein aktiverer Stürmer, der überall anspielbar ist - wie etwa Englands Harry Kane oder PSG-Profi Ousmane Dembélé - käme dem portugiesischen Spiel womöglich mehr entgegen. Den Ersatz zu bestimmen, wäre Aufgabe von Nationaltrainer Roberto Martínez.
Darum wäre Portugal ohne Ronaldo auch nicht besser
Der Trainer tat in den vergangenen Monaten aber genau das Gegenteil. Am Tag vor dem Spiel bezeichnete er Ronaldo als unverzichtbare Ikone des Teams. Immer wieder wird die Aura des 41-Jährigen hervorgehoben - und da ist was dran. Ronaldo ist im Strafraum immer noch zu allem fähig und wird entsprechend von jedem Verteidiger der Welt respektiert bis gefürchtet. Dazu kommt: Wäre sein Schuss in der 74. Minute ins statt übers Tor gegangen, hätte Martínez mit seiner Aufstellung alles richtig gemacht.
Es sei "nicht nur vielbeinig verteidigt" worden, sondern auch mit viel Qualität in den Zweikämpfen, sagte Ex-Nationalspieler Thomas Müller bei MagentaTV. "Es ist auch unangenehm, sich in diesen Strafräumen dann freizumachen. Ich hätte nicht mit Ronaldo tauschen wollen, das war ein sehr unangenehmer Job." Im ZDF sagte Müllers Weltmeister-Kollege Per Mertesacker, Ronaldo sei immer noch fit und "bei diesen Events schießt er immer noch seine Tore. Was das Toreschießen angeht, ist er nicht langsamer geworden."
Im vergangenen Jahr war Ronaldo mit zwei Toren maßgeblich beteiligt am zweiten Triumph der Portugiesen in der Nations League, unter anderem war er gegen Deutschland erfolgreich. Seine Mitspieler betonen bei praktisch jeder Gelegenheit, wie sehr sie zu Ronaldo aufschauen. Intern scheint der Superstar mitzureißen. Öffentlich schickte er diese Botschaft an seine Millionen Fans in den sozialen Netzwerken: "Es war nicht der Start, den wir uns gewünscht haben, aber das ist noch lange nicht vorbei. Kopf hoch und voller Fokus auf das nächste Spiel."
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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