
Zum viel beachteten Gebetskreis von Felix Nmecha nach dem deutschen WM-Auftaktsieg in Houston gehörte Aleksandar Pavlovic nicht. Auf dem Fußballplatz bilden der Bayern-Youngster und der Dortmunder Stratege aber im Mittelfeld über die Grenzen ihrer rivalisierenden Clubs hinweg ein schon nach wenigen gemeinsamen Länderspielen gut harmonierendes Gespann.
Julian Nagelsmann vertraut seinen Turnier-Neulingen den Maschinenraum der Nationalmannschaft an. Pavlovic (22 Jahre/12 Länderspiele) und Nmecha (25/9) sind hauptverantwortlich für die Balance zwischen Offensive und Defensive. Es ist ein Wagnis, das der Bundestrainer eingeht. Und zugleich eine Verheißung für eine goldene DFB-Zukunft, die möglichst schon in Amerika beginnen soll.
Nagelsmanns verheißungsvolles Wagnis
Sicher ist: Im zweiten Gruppenspiel gegen die schnellen und robusten Kicker der Elfenbeinküste am Samstag (22.00 Uhr/ZDF und MagentaTV) in Toronto wird das Duo Pavlovic/Nmecha einer ersten WM-Reifeprüfung unterzogen.
Kann das gut gehen? Auf der Sechser-Position agieren die großen Strategen, die Masterminds ihrer Teams. Europameister Spanien hat Rodri (Manchester City), Weltmeister Argentinien Enzo Fernandez (FC Chelsea), Portugal Vitinha vom Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain, England Declan Rice vom englischen Meister FC Arsenal. Oder die Schweizer, die haben den ehemaligen Leverkusener Meisterspieler Granit Xhaka als extrem erfahrenen Anführer.
Beim viermaligen Weltmeister Deutschland spielt Kapitän Joshua Kimmich (111 Länderspiele) nicht wie beim FC Bayern zentral, sondern rechts hinten. Anders als Meistercoach Vincent Kompany in München setzt Nagelsmann auf Nmecha neben Pavlovic. Der Dortmunder hat Leon Goretzka auf die Bank verdrängt.
Was Kimmich über das Sechser-Duo sagt
Pavlovic übernimmt den Part des Spielbeschleunigers aus der Tiefe. Nmecha ist mit seiner Dynamik und seinem raumgreifenden Spiel der offensivere Teil der Doppel-Sechs. "Felix und ich verstehen uns auf und neben dem Platz top. Er ist ein Top-top-Fußballer, der offensiv und defensiv sehr gute Arbeit leistet. Am meisten Spaß macht es, mit ihm so Tiki-Taka-Kombinationen zu machen", sagte Pavlovic nach dem lockeren WM-Aufgalopp beim 7:1 gegen Curaçao.
Kapitän Kimmich berichtete derweil über den jungen Vereinskollegen Pavlovic: "Pavlo hat immer Lust auf Fußball. Den kannst du nachts um 2.00 Uhr wecken und mit ihm Fußball spielen, weil es für ihn das Größte ist, was es gibt."
Nmecha war der Auffälligere und Wirkungsvollere beim WM-Debüt des Duos. Er erzielte das 1:0. Er holte den Elfmeter zum 3:1 heraus. Am meisten Schlagzeilen machte der BVB-Profi aber weltweit mit dem von ihm initiierten Gebetskreis mit Teamkollege Jonathan Tah und Spielern von Curaçao nach dem Schlusspfiff.
"Jesus wird verherrlicht durch das Spiel"
Nmecha gehört dem Netzwerk "Ballers in God" an. "Wir sind im Spiel Gegner. Aber nach dem Spiel sind wir alle Christen und Brüder", erklärte er danach: "Da haben wir ein kleines Gebet gemacht. Wir glauben alle, dass Jesus verherrlicht wird durch das Spiel. Darum haben wir zusammen gebetet."
Die Teamkollegen und der Bundestrainer sehen im Christen Nmecha vor allem einen begnadeten Fußballer. "Das ist einer der talentiertesten Spieler, die wir haben. Extreme Physis, sehr schnell, sehr robust, auch technisch für seine Größe überragend. Er ist ein sehr kompletter Spieler - und wertvoll für uns", sagte Kimmich über den Mann, der auf seiner Lieblingsposition spielt.
Nmecha auf Khediras Spuren
Ist Nmecha ein neuer Sami Khedira? Der Vergleich drängt sich auf und könnte von WM-Spiel zu WM-Spiel mehr Kontur erhalten. Nach einer Knieverletzung im März war Nmechas WM-Debüt in Gefahr. Beim späteren Weltmeister Khedira drohte das nach einem Kreuz- und Innenbandriss im März 2010 ebenfalls.
Khedira wurde aber - wie nun Nmecha - rechtzeitig fit und ersetzte als WM-Greenhorn bei der WM in Südafrika den verletzten Kapitän Michael Ballack im Mittelfeld. Im Anschluss wechselte der Senkrechtstarter vom VfB Stuttgart zu Real Madrid. Dort reifte Khedira zum Star, er sammelte Titel und wurde 2014 mit der Nationalmannschaft in Brasilien Weltmeister.
Verletzungen und Krankheiten bremsten nicht nur Nmecha, sondern auch Pavlovic in der Vergangenheit mehrmals aus. So verpasste der gebürtige Münchner die Heim-EM 2024 wegen einer Mandel-Operation. In Amerika strotzen nun beide vor Kraft, beim Training tragen sie gerne Muskelshirts.
"Wir müssen einfach Spiel bei Spiel weitermachen und so gut wie möglich die WM spielen", sagte Nmecha vor Spiel Nummer zwei, in dem der Einzug in die K.o.-Phase schon fixiert werden könnte. Im Maschinenraum muss es dafür rund laufen. Und womöglich wird die Welt dann noch häufiger Nmecha beten sehen.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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