
Letztlich musste sogar Angela Merkel eingreifen. Auf Vermittlung der Kanzlerin treffen sich Jürgen Klinsmann und Joachim Löw mit den Chefredakteuren des Springer-Verlags. Irgendwo in der Toskana. Es ist das Frühjahr 2006 und vom Sommermärchen im eigenen Land wähnt man sich so weit entfernt wie Curaçao von einem Sieg gegen die DFB-Elf bei der WM im kommenden Monat.
Weniger die letztlich erfolgreiche Heim-WM als vielmehr der alles andere als geradlinige Weg dahin stehen im Mittelpunkt der neuen Sportstudio-Produktion "Mission Sommermärchen". Die Filmemacher Simone Schillinger und Florian Nöthe erzählen von den zwei Jahren vor dem Turnier, beginnend mit dem Amtsantritt von Jürgen Klinsmann als Bundestrainer. Am 30. Mai (20.30 Uhr) wird die Serie im ZDF ausgestrahlt, zehn Tage vorher ist sie bereits online abrufbar.
Ein Wohnmobil-Trip mit Folgen
Klinsmann war alles andere als die erste Wahl. Zu Beginn stand er nicht einmal auf einer langen Liste von Namen. Erst ein Campingurlaub von Berti Vogts in den USA samt Besuch des Europameister-Trainers von 1996 in Klinsmanns Wahlheimat Kalifornien brachte die Sache ins Rollen. Damit setzte ein Paradigmenwechsel im deutschen Fußball ein, bei dem Klinsmann und Löw gleich mehrere Skeptiker überzeugen mussten: das Establishment des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), die Medien und letztlich die breite Öffentlichkeit.
Anfang März 2006 verliert Deutschland in Italien 1:4 und wenige Monate vor Beginn der WM steht Klinsmann vor dem Rauswurf. Der Ex-Stürmer hatte zuvor fast alles beim DFB auf den Kopf gestellt. Er revolutionierte das Fitnesstraining im Verband, holte externe Experten hinzu, nominierte kaum bekannte Spieler, rief ein Torwart-Duell zwischen Titan Oliver Kahn und Jens Lehmann aus, legte sich mit den Mächtigen der Bundesliga an. Es war klar: Er musste liefern.
Nach der Italien-Pleite kam es zu besagtem Treffen in der Toskana. "Wir haben dort unser Konzept vorgestellt", sagt Klinsmann in der dreiteiligen Doku-Serie. "So gab es - durch die Kanzlerin angeleitet - ein Verständnis, miteinander zu sagen: Okay, lasst uns das gemeinsam angehen. Und wenn es nicht gut gehen sollte, dann erwarten wir von dir, dass du von der Bühne gehst."
Odonkor und der Knall
Die Doku setzt bewusst auf personalisierte Geschichten der WM. So gipfelt der Konkurrenzkampf zwischen Kahn und Lehmann mit der Versöhnungsgeste vor dem Elfmeterschießen im Viertelfinale gegen Argentinien. Der berühmte Spickzettel von Lehmann, der übrigens im Gegensatz zu Kahn nicht zu Wort kommt, ist nur eine Randnotiz.
Später berichtet der damalige DFB-Medienchef Harald Stenger, wie er sich am Morgen vor dem Spiel um Platz drei zum Frühstück neben Kahn setzt und dieser ihn als Einzigen einweiht, danach zurücktreten zu wollen. "Es war ein wunderbarer Moment, um aufzuhören", sagt Kahn.
Auch David Odonkor darf noch einmal von seiner Vorlage zum Sieg in der Nachspielzeit gegen Polen berichten, vom eigentlichen Beginn der Euphoriewelle. "Das war so ein Knall. Da kriegt man heute noch Gänsehaut. Das war einmalig", erinnert sich der 41-Jährige in der Doku.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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