
Die hitzigen Diskussionen über Eingriffe der Video-Schiedsrichter könnten schon bald neue Dimensionen annehmen. Statt einer Beschränkung der Macht der VAR streben die internationalen Fußball-Regelhüter nämlich eine Ausweitung der Befugnisse an. Das kann folgen für die Bundesliga und die WM im Sommer haben. Am Samstag fällt in Wales bei der Sitzung des International Football Association Board (Ifab) eine Entscheidung.
Welche Regel-Neuerungen sind beim Video-Schiedsrichter geplant?
Die wichtigste Neuerung: Jeder Eckball wird künftig auf seine Richtigkeit überprüft. So steht es in dem Regel-Entwurf auf der Ifab-Agenda. So soll verhindert werden, dass ein falsch zugesprochener Eckball zu einem Torerfolg führt. Wichtig ist, dass die Entscheidung in Echtzeit erfolgt, also keine quälend langen Prüfzeiten wie bei anderen Video-Checks entstehen.
Gecheckt und möglicherweise korrigiert werden künftig auch Gelbe Karten, die als zweite Verwarnung zu einer Gelb-Roten Karte und damit einem Spielausschluss führen. Keine Überprüfung gibt es für erste Gelbe Karten oder ausgebliebene Gelbe Karten, die zu einer Gelb-Roten Karte geführt hätten, es sei denn, es wurde nachweislich ein falscher Spieler oder das falsche Team bestraft.
Was steht beim Ifab noch auf der Agenda?
Das Spiel soll schneller und attraktiver werden, das hatte auch FIFA-Präsident Gianni Infantino, der qua Amt dem Ifab angehört, so gefordert. Zeitspiel ist der Feind des modernen Fußballs. Die sogenannte Acht-Sekunden-Regel für Torhüter beim Abschlag soll künftig auch bei Torabstößen und Einwürfen gelten, der Schiedsrichter zeigt den Countdown mit den Fingern an. Bei Verstößen gibt es einen Eckball oder Einwurf für das andere Team.
Nur noch zehn Sekunden bleiben künftig bei Auswechslungen. Auf dem Spielfeld behandelte Akteure müssen dann eine noch festzulegende Zeitspanne auf ihrer Rückkehr aufs Feld warten. Noch zu klären ist, ob das auch Torhüter betrifft oder ob ein Teamkollege, die neue Auszeit absitzen kann.
Was sagen Experten zu den Plänen?
UEFA-Schiedsrichterchef Roberto Rosetti bleibt dabei: Der Video-Referee ist eine gute Erfindung. "Wir dürfen nicht vergessen, warum der VAR eingeführt wurde. Er wurde geschaffen, um Fehler zu korrigieren. Die Technologie eignet sich hervorragend für objektive Entscheidungen, wie beispielsweise Abseitsstellungen, aber bei subjektiven Entscheidungen müssen wir vorsichtig sein, denn wenn wir winzige Details überprüfen, verlangsamen wir das Spiel", sagte er jüngst in Brüssel. Mehr Tempo, mehr Gerechtigkeit. Mit dieser Maxime werden die Pläne also begrüßt.
Aus der Bundesliga kommen zumindest noch keine kritischen Stimmen zu den Plänen. Union Berlins Trainer Steffen Baumgart findet den VAR bei allen Problemen auch weiterhin positiv. "Wenn er gut angewendet ist, dann bringt er Klarheit und bringt auch in der einen oder anderen Situation Gerechtigkeit", sagte Baumgart. Sein Wunsch nach einer Challenge-Möglichkeit für Trainer, wie in anderen Sportarten, ist von den Fußball-Regelhütern weiterhin nicht angedacht.
Kommen die Regeln auf jeden Fall und ab wann gelten sie?
Eine Ablehnung wäre eine Überraschung. In der Regel folgen die Ifab-Mitglieder den Vorschlägen auf der Agenda. Sie wurden schließlich bei den eigenen Vorbereitungstreffen entwickelt. 2024 gab es eine unerwartete Wendung durch die Ablehnung der Blauen Karte, die für 10-Minuten-Zeitstrafen eingeführt werden sollte. Damals legte Infantino kurzfristig, quasi über Nacht, noch ein Veto ein. Der FIFA-Boss hat ganz viel Einfluss auf die Entscheidungen.
Frühestens zum 1. Juni treten neue Regeln in Kraft, so sieht es der traditionelle Zeitplan des Ifab vor. Das bedeutet, dass es schon bei der WM zu der spannenden Ecken-Überprüfung kommen kann. Die FIFA wird kaum zögern, die Ifab-Vorgaben umzusetzen.
Was heißt das für die Bundesliga?
In dieser Spielzeit wird in jedem Fall noch nach dem bisherigen Regelwerk entschieden. Ab der kommenden Saison können dann in der Bundesliga die Änderungen greifen. Es gibt allerdings keine Übernahmepflicht für jeden Wettbewerb. So könnte es theoretisch auch Unterschiede in der Liga und im DFB-Pokal geben. In der Regel einigen sich aber DFB und DFL auf eine Linie.
Warum darf das Ifab über die Regeln entscheiden?
Das hat viel mit Fußball-Tradition zu tun. Seit jeher haben die Verbände aus England, Wales, Schottland und Nordirland eine Sonderstellung, da der moderne Fußball in Britannien 1863 erstmals ein Regelwerk bekam. Vier Stimmen haben die Verbände noch heute im Ifab, die FIFA als Weltverband hat das gleiche Stimmrecht.
Die Institution wird als Regel-Instanz allseits akzeptiert, zumal nach einer Reform auch externe, beratende Meinungen wie von Top-Coach Arsène Wenger oder Ex-Star Luís Figo gehört werden.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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