
Durchbruch oder die nächste Runde in der Warteschleife? Die Arbeitsgruppe zur Regionalliga-Reform könnte auf ihrer vorerst letzten terminierten Sitzung zu einer wegweisenden Entscheidung kommen. In Frankfurt kommen Funktionäre des Deutschen Fußball-Bunds, Verbands- und Vereinsvertreter zusammen. Vor dem Showdown zeichnet sich die Mehrheit für eine Lösung ab.
Warum ist das Treffen so wichtig?
Da bislang keine weiteren Sitzungen terminiert sind, kann man das Treffen durchaus als kleines Finale eines langen Diskussionsprozesses verstehen. Ziel ist es, eine oder mehrere konsensfähige Lösungen zu finden, die dem DFB-Bundestag zur Abstimmung vorgelegt werden können. Ohne Einigung droht ein Weiter-so. Die Initiative "Aufstiegsreform 2025" hat von der Bundesliga bis zur Oberliga aktuell 65 Unterstützer.
Was ist der Kern des Konflikts?
Die zentrale Forderung lautet "Meister müssen aufsteigen". Aktuell haben nur die Sieger der Staffeln West und Südwest das direkte Aufstiegsrecht, die Ligen Nord, Nordost und Bayern haben in einem rotierenden System nur einen festen Aufsteiger. Die beiden anderen Meister ermitteln in einer Relegation den vierten und letzten Drittliga-Aufsteiger.
"Wir sind gerade so weit gekommen wie noch nie in den Bestrebungen, diese eigentliche Selbstverständlichkeit "Meister müssen aufsteigen" wahr werden zu lassen für alle Regionalligen", sagte Marcus Uhlig, Vorstandsvorsitzender von Rot-Weiß Oberhausen, der "Neuen Ruhr Zeitung".
Welches Modell ist favorisiert?
Offenbar könnte sich für das eigens entwickelte Kompassmodell eine Mehrheit finden. Demnach soll es nur noch vier statt fünf Regionalligen geben. Die Zusammensetzung jeder 20 Mannschaften starken Staffel (Nord, Ost, Süd, West) soll vor jeder Saison mittels Künstlicher Intelligenz neu erfolgen.
Durch den fluiden Zuschnitt sollen kurze Fahrtstrecken und geringere Kosten ermöglicht werden. Zudem sollen laut MDR einheitliche Zulassungskriterien greifen, bisher kann das jede Staffel für sich regeln. Die neue Struktur soll ab der Saison 2027/28 greifen.
Welche Kritik gibt es am Kompass-Modell?
Für einige Vereine würde eine Reduzierung der Staffeln letztlich doch zu höheren Fahrtkosten führen, da sie geografisch eher am Rand liegen. Bei Weiche Flensburg wäre dies der Fall. Anderen Staffeln würden durch einen neuen Zuschnitt attraktive Gegner verloren gehen. So würden die Kickers Offenbach oder Hessen Kassel aus der Regionalliga Südwest nicht in die neue Süd-, sondern in die West-Staffel wandern.
Außerdem jagen die einheitlichen Zulassungskriterien einigen Clubs wohl einen großen Schrecken ein, da die wirtschaftliche Kluft innerhalb der Regionalligen schon jetzt durchaus vorhanden ist. Franz Gerber, Geschäftsführer von Rot-Weiß Erfurt, sagte dem "Kicker": "Das Kompass-Modell wäre zu 95 Prozent gerecht. Eine Lösung, die alle zu 100 Prozent zufriedenstellt, wird es nie geben."
Welche Alternativen gibt es?
Ins Spiel gebracht wurde auch die Idee "Fünf aus Fünf", eine Aufstockung der 3. Liga sowie eine Aufspaltung der 3. Liga. Letzteres stößt beim DFB auf wenig Gegenliebe. Zum einen ist die 3. Liga das Vorzeigeprodukt des Verbandes, zum anderen hatte man dieses System - damals mit zwei Regionalligen - bereits vor Einführung der 3. Liga. Einer Aufstockung der 3. Liga wurde bereits eine Absage erteilt.
Auch gegen fünf Absteiger gibt es große Vorbehalte. Wenn fünf von derzeit 20 Drittligisten abstiegen, sieht der DFB Planungssicherheit und Stabilität gefährdet. Zudem würde die größere Fluktuation den Marktwert der Liga negativ beeinflussen.
Wer sitzt in der Arbeitsgruppe am Tisch?
Den Vorsitz der AG hat ein bekanntes Gesicht. Michael Vesper, einst von 2006 bis 2017 Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes, ist vor der Sitzung am Mittwoch optimistisch. "Was mich ermutigt, ist, dass alle - ich betone alle - Landes- und Regionalverbandspräsidenten diese Gruppe eingerichtet haben. Und wer A sagt, muss dann auch B sagen und dieser Gruppe die Möglichkeit geben, einen Vorschlag vorzulegen", sagte Vesper dem MDR.
Neben Vesper haben alle fünf Regionalligen je einen Verbands- und einen Vereinssprecher benannt. Hinzu kommen Manuel Hartmann (DFB-Geschäftsführer Spielbetrieb) und Ansgar Schwenken (DFL-Direktor Spielbetrieb & Fans).
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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