
Die Kulisse könnte nicht schillernder sein. Die Côte d'Azur. Glitzerndes Meer im Sonnenschein. Und Europas Fußball-Elite versammelt sich zur Auslosungszeremonie für die Champions League im Fürstentum Monaco. UEFA-Chef Aleksander Ceferin mittendrin als souveräner Herrscher, der den skandal-umtosten FIFA-Boss Gianni Infantino persönlich herausfordert. Das hätte Strahlkraft. Doch zu diesem Szenario wird es diese Woche nicht kommen.
Ceferin will nicht um den Posten als Weltverbandschef kandidieren. "Ich bin nicht interessiert", sagte der Präsident der Europäischen Fußball-Union im britischen Podcast "The Rest is Politics" kurz vor der für den europäischen Fußball wichtigen Lose-Woche.
Ceferin spricht von Glaubwürdigkeit
Kneift da einer vor dem Duell mit Infantino? Bröckelt Europas Widerstand gegen Infantino? Keineswegs. Ceferins Verzicht war erwartet worden. Es ist ein sportpolitischer Schachzug mit Kalkül. Zum einen liebe er die UEFA und die Arbeit dort. "Und der zweite Punkt ist: Meine Glaubwürdigkeit ist um ein Vielfaches höher, wenn ich kein Interesse an diesem Posten habe", betonte der 58-Jährige.
Während der nach seinen gescheiterten Investoren-Plänen zur WM-Vermarktung nach Allianzen suchende Infantino Unterstützer-Videos und Botschaften aus der Karibik sendet, formieren die Europäer weiter ihren Widerstand. Gesucht wird ein Kandidat (oder eine Kandidatin), der den trotz der Krise schweren Kampf gegen den FIFA-Boss bei der Wahl am 18. März 2027 in Rabat gewinnen kann.
Rotationsprinzip als Idee
Ceferin wäre es nicht. Aus verschiedenen Gründen. Für einen Sturz Infantinos sind die Stimmen aus Nord- und Mittelamerika und Asien unerlässlich. Auch möglichst viele afrikanische Voten müssen gewonnen werden. Da müssen die Europäer einen weltweit schlüssigen Konsensbewerber bieten. Als Idee kursiert der Gedanke eines rotierenden Systems, in dem jede Konföderation für zwei Jahre den FIFA-Boss stellt.
Ceferin wäre nur der nächste Europäer auf dem FIFA-Thron, der nächste potenzielle Alleinherrscher. Infantino kam auch von der UEFA zum Weltverband. Der Slowene muss jetzt den Wahlkampf transkontinental orchestrieren, dann sind die Aussichten größer. Der Druck auf Infantino muss maximal sein.
Ceferin steht seit zehn Jahren an der UEFA-Spitze, seine Amtszeit endet ebenfalls im kommenden Jahr. Er hat noch keine erneute Kandidatur offiziell angekündigt. Doch er will bleiben. Der Wahltermin liegt nur zwei Wochen vor der FIFA-Kür. Die Crux: Wie Infantino bei der FIFA muss er die UEFA-Statuten geschickt dehnen, um eine vierte Amtszeit zu ermöglichen. Eigentlich sind nur drei erlaubt. Das macht ihn gewisser Weise angreifbar.
Infantino steckt unbestritten in der größten Krise seiner Ära. Besonders seine zurückgenommenen Pläne über die Einbindung von Investoren für zukünftige WM-Geschäfte sorgten für Entrüstung in der Fußball-Welt.
Der Wahlkampf tobt längst, auch ohne Gegenkandidaten. Ceferin hofft, dass Infantino erkennt, "dass er nicht die nötige Unterstützung für seine Wiederwahl hat" und quasi selbst zurücktritt. "Die zweite Möglichkeit ist, dass er zur Wahl antritt. In diesem Fall wird es wohl einen Gegenkandidaten geben. Ich weiß allerdings noch nicht, wer dies sein wird", sagte Ceferin. Er selbst ist es nicht. Die FIFA-Frist für die Nominierung von Herausforderern endet am 18. November - drei Monate vor der Wahl.
FIFA-Boss in der Karibik
Infantino ist seit 2016 FIFA-Präsident. Bis zu den heftigen Reaktionen auf seine Vorschläge schien seine Wiederwahl im kommenden Jahr in Marokko ohne Gegenkandidaten reine Formsache zu sein. Trotz der Selbstinszenierung neben US-Präsident Donald Trump bei der WM im Sommer. Neben zahlreichen Verbänden, die sich gegen Infantino gestellt haben, hat der Schweizer weltweit aber auch noch viele Unterstützer. Rückenwind verspüre er in der Dominikanischen Republik.
"Unsere Aufgabe, unser Job ist es, den Fußball in jedem Winkel der Welt wachsen zu lassen. Wir wollen den Fußball in jedem unserer 211 Länder der Welt weiterentwickeln. Manche wollen und brauchen leider nicht, dass andere wachsen, aber wir müssen diese Kluft zwischen den ganz großen Ländern und allen anderen verringern", sagte er nach einem Treffen mit Vertretern der Caribbean Football Union (CFU). Eine Breitseite gegen die mächtigen Europäer.
Doch verprellen darf der Schweizer niemanden. "Die Großen leisten hervorragende Arbeit, und wir loben und beglückwünschen sie dazu, und natürlich sollten sie auch weiterhin wachsen. Aber wir müssen allen anderen eine Chance geben. Wir müssen Investitionen für alle anderen finden - Chancen für alle anderen", sagte der 56-Jährige. Vor allem geht es für ihn aber gerade um seine eigenen Chancen zur Wiederwahl.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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