
Das echte Rennfahrer-Glück findet Max Verstappen gerade nicht mehr in der Formel 1. Verärgert über das neue Regelwerk und frustriert von der Schwäche seines Dienstwagens flüchtet der viermalige Weltmeister mehr denn je in Abenteuer in anderen Rennserien. In der Pause vor dem Großen Preis von Japan am Sonntag (7.00 Uhr/Sky) hatte Verstappen viel Spaß bei einem Langstrecken-Rennen auf dem Nürburgring, im Mai will er dort auch beim 24-Stunden-Klassiker starten. "Ich hatte eine gute Zeit, ich liebe diese Art des Rennfahrens", schwärmte der Niederländer.
Beim Formel-1-Gastspiel in Suzuka sind solche Töne vom 28-Jährigen kaum zu erwarten. Dass Verstappen seine Rekordserie von vier Japan-Siegen in Folge ausbauen kann, scheint angesichts der Schaffenskrise seines Red-Bull-Teams ausgeschlossen. "Wir müssen realistisch sein, wir sind nicht annähernd in der Nähe der Spitze", stellte Verstappen fest. Im Training sortierte er sich als Zehnter tief im Mittelfeld ein.
In der WM hat er vor dem dritten Saisonlauf nur 8 Punkte auf dem Konto und liegt damit schon 43 Zähler hinter Spitzenreiter George Russell von Mercedes. Beim Auftakt in Australien patzte Verstappen in der Qualifikation und rettete sich im Rennen als Sechster ins Ziel. Zuletzt in China fiel er mit einem technischen Defekt aus. "Ich hoffe, das bleibt für eine Weile unser schlechtestes Wochenende", sagte der Serien-Champion.
Sein neuer Teamkollege Isack Hadjar fasst die aktuellen Probleme mit dem Red Bull schlicht so zusammen: "Wir haben sicher nicht das leichteste Auto. Wir brauchen zu viel Zeit in den Kurven. Es ist nicht schwer zu fahren, es ist einfach langsam."
Zoff mit einem Reporter
Für zusätzlich schlechte Laune sorgt bei Verstappen die anhaltende Wut über die tiefgreifende Technik-Reform der Formel 1. Die neuen Motoren beziehen zu gut 50 Prozent Leistung vom Verbrenner und zu fast 50 Prozent aus der Batterie, die immer wieder geladen werden muss. Daher sind die Piloten weniger als Vollgas-Artisten und dafür mehr als Energie-Manager in ihren Autos gefordert. Das kommt Verstappens Ausnahmetalent wenig entgegen. Mehrfach verglich er die neue Formel 1 abfällig mit dem Videospiel "Mario Kart".
Wie gereizt Verstappen derzeit ist, zeigte eine Szene im Red-Bull-Motorhome, als er einen britischen Reporter zu Beginn seiner üblichen Fragerunde am Donnerstag barsch zum Gehen aufforderte. Gegen den Journalisten hegt der Niederländer schon seit Monaten einen Groll, weil dieser ihn nach dem Finale der Vorsaison mit einer kritischen Nachfrage geärgert hatte. Nach einem kurzen Wortwechsel verließ der Reporter die Team-Unterkunft, erst dann gab Verstappen den verbliebenen Medienvertretern Antworten.
Das Stimmungstief des Superstars spült auch ein Thema wieder nach oben, das schon im Vorjahr über Monate die Formel 1 beschäftigte: Nutzt Verstappen eine angebliche Ausstiegsklausel und wechselt zur nächsten Saison zu Mercedes? Das Fachportal "Auto, Motor und Sport" will wissen, dass der Red-Bull-Chefpilot in diesem Jahr noch leichter aus seinem bis Ende 2028 laufenden Vertrag käme, wenn er zur Jahresmitte nicht mindestens WM-Zweiter ist.
Verstappens Mercedes-Ausflug
Mercedes-Teamchef Toto Wolff verwies derartige Überlegungen ins Reich der Fabel. "Das Erstaunliche ist, dass diese dummen Gerüchte jetzt schon im März aufkommen. Dumm genug, dass man normalerweise im Juli darüber sprechen muss", sagte der Österreicher bei "oe24". Wolff betonte, seine Piloten Russell und Kimi Antonelli seien langfristig gebunden. "Ich könnte nicht glücklicher und happier mit den beiden sein", sagte er.
Die aktuelle Stärke der Silberpfeile, die sich bei den Siegen von Russell in Australien und Antonelli in China zeigte, dürfte die Spekulationen um einen möglichen Flirt von Verstappen mit einem Wechsel allerdings weiter köcheln lassen. Erfahrungen mit der Stern-Marke hat Verstappen gerade erst gesammelt. Bei seinem Nürburgring-Ausflug steuerte er einen Mercedes-AMG GT3-Sportwagen.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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