
Auf dem Weg zum jüngsten Formel-1-Weltmeister der Geschichte scheint Kimi Antonelli nicht mehr aufzuhalten zu sein. Mit gerade mal 19 Jahren sammelt der Italiener im derzeit besten Auto Sieg um Sieg, ist schon abgezockt wie ein ganz Großer und lässt sich auch von Rückschlägen in seinem Mercedes nicht beirren.
"Es ist auch für uns überraschend, was für ein Sprung er gemacht hat", sagte Silberpfeil-Teamchef Toto Wolff nach dem sechsten Triumph im zehnten Saisonlauf für sein Supertalent. Einen wie ihn gebe es höchstens einmal in jeder Generation, lobte der Österreicher: "Die Einstellung ist einfach unglaublich. Es gibt kein Beschweren, es gibt kein Nörgeln."
Antonelli kann Vettel einen Rekord abjagen
Droht an der Spitze nun die große Langeweile bis zum Saisonende? "Die letzten Rennen haben gezeigt, wie schnell etwas schieflaufen kann, daher will ich derzeit überhaupt nicht an den Titel denken", sagte Antonelli in seinem erst zweiten Formel-1-Jahr. Vor dem Triumph in Belgien am Sonntag hatte er auch schon mehrfach Technik-Probleme, die noch mehr Punkte verhinderten.
So beträgt sein Vorsprung auf Rekordweltmeister Lewis Hamilton im Ferrari auch "nur" 45 Zähler, nach einem bitteren Ausfall hat Mercedes-Teamkollege George Russell vor dem letzten Rennen vor der Sommerpause am Sonntag in Budapest 50 Punkte aufzuholen. Jüngster Weltmeister ist bislang Sebastian Vettel mit 23 Jahren und 134 Tagen, Antonelli wird im August gerade mal 20.
Vor allem Ferrari macht sich Hoffnungen, den Rückstand auf ihn schrittweise zu verkürzen. "Wir verbessern das Auto ständig, und wir haben weitere Verbesserungen in der Pipeline", sagte Rekordweltmeister Hamilton, der sechs seiner sieben Titel im Mercedes holte. Doch klar ist auch: "Kimi ist schneller als wir. Man kann mit dem zweiten Platz nicht zufrieden sein", betonte Ferrari-Teamchef Frederic Vasseur.
Leclerc: "Bin nicht auf dem Level, auf dem ich sein will"
In Charles Leclerc zeigt der zweite Pilot der Scuderia aber klar aufsteigende Form. Dem Sieg in Silverstone vor zwei Wochen folgte nun Rang zwei in Spa-Francorchamps. "Ich habe einen Schritt nach vorn gemacht, aber ich bin nicht auf dem Level, auf dem ich sein will", sagte der Monegasse: "Mit diesen Autos ist es schwer, optimistisch zu sein. Wir könnten beim nächsten Rennen vorn sein, vielleicht aber auch nicht."
Nach der Regel-Revolution stellt das Energie-Management die Fahrer vor neue Herausforderungen. Dass nicht mehr konstant mit Vollgas gefahren werden kann, weil dem Auto sonst der Saft fehlt, ist längst nicht nach dem Geschmack aller. Während Antonelli mit dieser neuen Hürde am besten umgeht, hagelte es unter anderem vom viermaligen Champion Max Verstappen von Red Bull oder dem aktuell abgehängten Weltmeister Lando Norris von McLaren viel Kritik.
"Ich würde mich sehr über ein Motoren-Upgrade freuen, aber das liegt nicht in meiner Hand", sagte der WM-Siebte Verstappen. Der Niederländer wurde in Belgien zwar Dritter, hat in der Gesamtwertung aber 113 Punkte Rückstand auf Antonelli, auch Norris (101) und dessen Teamkollege Oscar Piastri (112) liegen weit hinter dem Mercedes-Fahrer, der von Italiens Presse mit Lob überhäuft wurde. "Antonellis Meisterwerk!", schrieb die "Gazzetta dello Sport": "Kimi dominiert und baut seinen Vorsprung in der Weltmeisterschaft aus."
Mercedes-Teamchef: "Das Auto muss halten"
Bitter für Mercedes: Das zweite Auto mit Russell kann nicht Schritt halten. "Ich bin mittlerweile etwas abgestumpft, was die Enttäuschungen in den diesjährigen Rennen angeht. Wenn das so oft vorkommt, dann gewöhnt man sich daran", sagte der Brite. Nach einer Kollision mit Hamilton war dieses Mal schon in der ersten Runde Schluss, zu oft ließ der Silberpfeil ihn im Stich. Zwar führt Mercedes trotzdem auch in der Konstrukteurs-WM, doch das Bild könnte ohne Defekte und technische Schwierigkeiten noch viel klarer sein.
"Wir haben einen Motor, der unheimlich stark ist, ein Auto, das schnell ist, aber das Auto ist nicht stabil genug. So verlieren wir wertvolle Punkte", sagte Teamchef Wolff und ergänzte in Richtung Russell: "Wir müssen versuchen, das beste Material zur Verfügung zu stellen. Das Auto muss halten, damit er wieder Selbstvertrauen bekommt."
Antonelli "in seiner eigenen Liga"
Auch Antonelli weiß, dass Pech aktuell am ehesten verhindern kann, dass es erstmals seit 73 Jahren wieder einen italienischen Formel-1-Weltmeister gibt. Alberto Ascari ließ die stolzen Tifosi 1953 im Ferrari zuletzt jubeln. "Ich bleibe auf der Hut - mit diesen Autos kann so viel Unvorhersehbares passieren. Ich will nicht weit vorausdenken", sagte Antonelli.
In Budapest erwartet er einen Vierkampf der Topteams Mercedes, Ferrari, Red Bull und McLaren. Die Konkurrenz ist da noch etwas skeptischer. "Es ist noch ein weiter Weg bis zum ersten Platz, aber wir bewegen uns zumindest in die richtige Richtung", sagte Red-Bull-Teamchef Laurent Mekies bei Sky. Doch auch er musste in Belgien in Richtung Antonelli anerkennen: "Er war in seiner eigenen Liga."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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