
Für Cadillac ist der Super Bowl gerade gut genug. Vor mehr als 100 Millionen US-Zuschauern wird das neue Formel-1-Team in der Nacht zu Montag in einem millionenschweren Werbespot die Lackierung seines künftigen Rennwagens vorstellen. Das American-Football-Spektakel als perfekte Bühne, um als lange infrage gestellter Neuling eine Visitenkarte mit unverkennbarer US-Identität abzugeben.
Die General-Motors-Tochter, die vorübergehend die Formel-1-Belegschaft gegen sich aufgebracht hatte, reicht dieser Hype aber nicht. Im Vorfeld des Super Bowls wird auf dem Times Square in New York mit seinen pulsierenden Leuchtreklamen eine sogenannte Cadillac Countdown Box aufgestellt. Bei der Installation handelt es sich im Kern um eine chromverkleidete Konstruktion, die eine Nachbildung des neuen Autos mit seiner ersten Lackierung enthält.
Milliardenschwere Investoren
"Die Enthüllung beim Super Bowl und am Times Square ist ein Startschuss und eine Einladung an die Fans, sich unserer Reise anzuschließen", formulierte der Geschäftsführer des Cadillac-Rennstalls Dan Towriss in bestem PR-Sprech. Hollywood-Star Keanu Reeves dreht außerdem eine Dokuserie über den Neuling. Aufmerksamkeit ist die Währung, die auch in der Formel 1 zählt.
Towriss, der Mann mit der markanten Glatze, ist so etwas wie der Retter des zeitweise ins Schlingern geratenen zweiten eigenständigen Formel-1-Projekts aus den USA nach Haas. Er kümmert sich um die Motorsportsparte der TWG Global Holding, die von Mark Walter, dem milliardenschweren Mitbesitzer der Los Angeles Dodgers und der Los Angeles Lakers, sowie Thomas Tull, der unter anderem den Batman-Blockbuster "The Dark Knight" produziert hat, gegründet wurde. Das Ziel: natürlich die Spitze.
Michael Andretti nicht mehr tragbar
Towriss schaffte etwas, das nicht so leicht ist: Er musste die Bosse der Königsklasse des Motorsports und beim Motorsportweltverband Fia besänftigen. Denn das Problem des Projekts hieß am Ende Michael Andretti. Der Sohn des 1978er Formel-1-Weltmeisters Mario Andretti und 1993 selber in 13 Grand Prix für McLaren im Cockpit trieb den Einstieg des Teams unter seinem Namen voran - forsch und breitbeinig. 2023 wurde die Bewerbung zum Unwillen der etablierten Teams, die die Sorge hatten, dadurch würden ihr Wert und ihre Einnahmen erheblich gedrückt, vom Weltverband akzeptiert.
Ein Jahr später sperrte sich aber der Rechteinhaber und vertröstete das Projekt auf 2028. Andretti beschwerte sich daraufhin beim US-Kongress mit dem Verweis auf einen möglichen Verstoß gegen das Kartellrecht. Anschließend leitete das US-Justizministerium eine Untersuchung gegen die Formel 1 ein.
Fette Ausgleichszahlung
Towriss schaltete sich aus Sorge vor dem Aus für General Motors ein und löschte Andretti aus dem Auftritt des US-Teams. Nur dessen in der Szene geschätzter Vater Mario bleibt als Vorstandsmitglied erhalten. Erst vor einem Jahr gab es schließlich Grünes Licht für Cadillac, nachdem man sich auch auf eine Ausgleichszahlung an die verbliebenen Teams geeinigt hatte. Der Betrag soll zwischen 200 und 600 Millionen US-Dollar liegen. Von 450 Millionen Dollar, umgerechnet rund 380 Millionen Euro, war zuletzt die Rede.
"Es war ein bisschen wie eine Talentshow", beschrieb Towriss das Bewerbungsverfahren, bei dem Cadillac genau durchleuchtet wurde und schon vor dem endgültigen Zuschlag 150 Millionen US-Dollar investiert hatte.
"Wir mussten dem Simon Cowell der Formel 1, Stefano Domenicali, zeigen, dass wir es ernst meinen. Dafür haben wir ein Team aufgebaut, ehe wir überhaupt wussten, ob wir jemals wirklich starten dürfen", erklärte er weiter. Cowell ist der Erfinder erfolgreicher Castingshows, Domenicali der Geschäftsführer der Formel 1. So finden Show und Sport zusammen. Und aus dem Schattenteam Cadillac wurde ein echtes Formel-1-Team.
Andretti: "Man muss groß denken"
Das würdigt mittlerweile auch die Konkurrenz. "Ich fand immer, dass die Formel 1 etwas ganz Spezielles ist und dass Einstiege limitiert sein sollten auf das Beste, was wir an Marken haben können", sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Ein Einstieg von Cadillac als hundertprozentiges Werksteam mit einem eigenen Motor in ein paar Jahren sei aber etwas, "was der Formel 1 einen Mehrwert bringen wird, auch in Amerika."
Bis Cadillac von 2028 an mit eigenen Motoren startet, wird der US-Rennstall von Ferrari beliefert. Die Routiniers Valtteri Bottas aus Finnland und der Mexikaner Sergio Perez sollen als Fahrer die Entwicklung des Neulings vorantreiben. Die Zuversicht auf schnellen Erfolg ist im Team verankert. "Man muss positiv denken. Man muss groß denken", sagte Mario Andretti mit unbändigem US-Enthusiasmus. "Das ist es, was dich antreibt."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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