
Der Steinschmätzer ist ein wahrer Kosmopolit unter den Singvögeln. Das Verbreitungsgebiet des Langstrecken-Zugvogels erstreckt sich über ganz Europa und weiter rund um den Nordpol. Auch in Hessen war die Art zur Brutzeit häufig, bis die Bestände ab 1980 wegen mangelnder Lebensräume einbrachen. Der Steinschmätzer verschwand hierzulande fast komplett. Auf einem Deponiegelände im Rhein-Main-Gebiet hat eine kleine Population überlebt - sie ist allerdings in Gefahr.
"Die Zukunft des Steinschmätzers bleibt ungewiss", sagt der Ornithologe Thomas Norgall, der die Art seit langem beobachtet. In diesem Jahr blieben in dem Brutgebiet auf der Deponie Flörsheim-Wicker etliche geeignete Reviere unbesetzt. "Es gibt also 2026 einen Mangel an Individuen und nicht zu wenig Lebensraum. Das ist ein beunruhigender Befund." Etwa seit 15 Jahren werden in Wicker die Steinschmätzer wissenschaftlich begleitet, bislang beobachteten die Experten pro Jahr meist 15 bis 20, nach den Hitzesommern ab 2018 sogar einmal mehr als 40 Brutpaare.
Steinschmätzer-Schutz bringt der Deponie Biotopwertpunkte
Dass der etwa 15 Zentimeter große Vogel auf einem Teil der Deponie wieder regelmäßig brütet, ist das Ergebnis eines erfolgreichen Naturschutzes. Im Auftrag der Rhein-Main-Deponie GmbH (RMD) werden die Flächen teils von Schafen beweidet, um die Vegetation kurzzuhalten. Zudem wurden Steinhaufen aufgestapelt. Der asch- bis braungraue Steinschmätzer benötigt zur Nahrungssuche offene, spärlich bewachsene Flächen mit Verstecken für seine Nester.
Die Schutzmaßnahmen waren so erfolgreich, dass der RMD zusätzliche Biotopwertpunkte zugesprochen wurden, wie eine Unternehmenssprecherin erläuterte. Diese Biotopwertpunkte nutze die Deponie nicht nur selbst, sondern verkaufe sie auch an umliegende Gemeinden, die Bauvorhaben ausgleichen müssen. "Die so generierten Einnahmen werden wiederum zur Pflege der Deponie und damit zum Erhalt der Steinschmätzer eingesetzt", ergänzte die Sprecherin.
Vom Naturschutz auf der Deponie profitierten zusätzlich andere Tiere, erklärt Stefan Stübing von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz. Dazu zählten neben Vogelarten wie Wiedehopf und Orpheusspötter auch Insekten wie die italienische Schönschrecke, der Resedafalter und die Gottesanbeterin.
Beim Steinschmätzer geht es im Frühjahr nach der Rückkehr aus der Überwinterung in Westafrika darum, sein Revier zu besetzen. Wichtiger Ort ist der Steinhaufen, in dem der Vogel sein Nest baut. Die Eier werden zum Schutz vor Räubern an das Ende eines verwinkelten, langen Gangs ins Nest gelegt. Aktuell sind die meisten Jungen bereits ausgeflogen.
Für stabile Population sind 150 bis 200 Brutpaare nötig
Warum fühlt sich der Vogel so wohl auf einer Deponie? "Früher hat der Steinschmätzer auch in Sandgruben und Steinbrüchen gebrütet", erläutert Stübing. Von daher kommt ihm die karge Landschaft entgegen. Ob die Population von Flörsheim-Wicker groß genug ist, um sich auf Dauer zu etablieren, hänge auch davon ab, welche Bedingungen die Tiere in ihrem Winterquartier und auf ihrem Zugweg haben, gibt der Experte zu Bedenken. Für eine stabile Population seien 150 bis 200 Brutpaare im Rhein-Main-Gebiet nötig - auch für die genetische Vielfalt. Die nächsten größeren deutschen Vorkommen gibt es in Weinbergen südlich von Alzey und nahe Hannover.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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