
Als die Venezolanerin Maria Fernanda Cabrera nachts von dem Erdbeben in ihrer Heimatstadt Caracas erfahren hat, war an Schlaf nicht mehr zu denken. Wie geht es ihrem Vater? "Ich hatte mir natürlich Sorgen gemacht, weil wir wussten nicht genau, was da los ist", erzählt Cabrera, die mit ihrem Mann in Bremen lebt. Sie versuchte immer wieder, ihren Vater zu erreichen - ohne Erfolg.
Ein Cousin machte sich schließlich auf die Suche. Nach stundenlangem Bangen dann die Entwarnung: "Ihm geht’s gut, zum Glück", sagt die Cabrera. In seinem Haus ist nur wenig kaputt, doch er hatte kein Wasser, kein Strom und keine Internetverbindung. "Er ist total unter Schock." Wie viele Venezolaner mache er sich Sorgen um mögliche Nachbeben. Bewegt sich die Erde wieder? "Das ist nicht so leicht."
Hunderte Tote, Tausende Verletzte
Viele kamen nicht so glimpflich davon. Die venezolanische Regierung spricht nach dem Beben am Mittwoch von mehr als 580 Toten, Tausende seien verletzt. Wie viele Menschen noch unter den Trümmern liegen, ist unklar.
Cabrera verfolgt internationale Medien und versucht in sozialen Netzwerken an mehr Informationen zu gelangen. "Man sieht Bilder oder Videos, wo wirklich Leute - normale Menschen wie du oder ich - auf der Straße versuchen, Leute rauszukriegen. Aber nur mit der Hand, sie hatten nichts."
Ein Video sei ihr besonders im Gedächtnis geblieben, erzählt die Venezolanerin. Es zeigt einen jungen Mann, vielleicht 18 oder 20 Jahre alt, der vor vergrabenen Menschen steht und um Hilfe ruft. "Das muss ein ganz schreckliches Gefühl sein. Ich höre diese Menschen, die leben noch, aber ich kann nichts machen."
Warum das Land dringend auf Hilfe angewiesen ist
Ihre Heimat sei nicht für so eine Katastrophe gerüstet, berichtet Cabrera. Schon vor dem Erdbeben sei die Infrastruktur in einem schlechten Zustand gewesen, es fehle an schwerem Gerät und an Benzin. Viele Orte seien abgeschnitten, zahlreiche Häuser eingestürzt. "Venezuela braucht auf jeden Fall Hilfe."
Anders als bei vergangenen Naturkatastrophen nehme die Regierung nun humanitäre Hilfe aus dem Ausland an, sagt die junge Frau erleichtert. Doch sie macht sich Sorgen, wie es mit ihrem Land weitergeht. Die Regierung sei instabil, es fehle an Geld. "Wer kümmert sich um die ganze Infrastruktur, die kaputt ist?", fragt sich Cabrera. "Ich weiß nicht, was in einem Monat ist. Oder in sechs Monaten, wenn alle Hilfe weg ist."
Freunde stehen vor dem Nichts
Das Erdbeben treffe die Menschen in ihrem Heimatland hart, sagt Cabrera. Natürlich sei das Wichtigste, eine solche Katastrophe zu überleben. Aber für viele bedeute es, dass sie jetzt vor dem Nichts stehen - und auch keine Perspektive mehr haben.
So wie ein Freund ihres Vaters, berichtet Cabrera. Sein Haus sei komplett zerstört. Anders als in Deutschland hätten die meisten Menschen keine Versicherung, die für den Schaden aufkommen könnte. Es fehlt an Geld, um sich wieder etwas Neues aufzubauen.
Eine eigene Wohnung, ein kleines Haus, das sei ein Lebenswerk. "In einem Land wie Venezuela, wo die Inflation so rasant ist, kannst du so was wahrscheinlich nie in deinem Leben wieder haben", sagt die Wahlbremerin. Der Mann komme vorübergehend bei Verwandten unter - und müsse nun nach einem neuen Zuhause in einer Stadt in Trümmern suchen.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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