
Mitten in der Nacht zum 1. Juni 2025 greift ein 73-jähriger Patient zu einem Feuerzeug und zündet sein Kopfkissen an. Die Folgen der Brandstiftung im Hamburger Marienkrankenhaus sind verheerend: Das Zimmer des Mannes im Erdgeschoss der Klinik im Stadtteil Hohenfelde brennt vollständig aus. Der Rauch beschädigt nach Angaben der Staatsanwaltschaft die gesamte geriatrische Station und weitere Zimmer in dem Gebäude. Drei Patienten im Alter von 84, 85 und 87 Jahren sterben an einer Kohlenmonoxidvergiftung.
Brandstifter in Psychiatrie eingewiesen
Ende November begann der Prozess gegen den 73-Jährigen. Die Staatsanwaltschaft warf dem Deutschen besonders schwere Brandstiftung mit Todesfolge und Mord mit gemeingefährlichen Mitteln in drei Fällen vor. Kurz vor Weihnachten verkündete die Strafkammer am Landgericht das Urteil: Der Beschuldigte wird auf Dauer in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Das Gericht folgt der Einschätzung der Staatsanwaltschaft, wonach der an Demenz leidende Mann bei der Tat schuldunfähig war. Das Urteil ist inzwischen rechtskräftig.
Patienten rufen an Fenstern um Hilfe
Für die Hamburger Feuerwehr war der Einsatz hochdramatisch. Das Patientenzimmer im Erdgeschoss stand beim Eintreffen der Einsatzkräfte in Vollbrand, die Flammen schlugen über ins darüberliegende Stockwerk, wie ein beteiligter Feuerwehrmann im Mitarbeitermagazin "Löschblatt" später berichtete. "Im EG waren Personen am Fenster von Rauch eingeschlossen, riefen um Hilfe oder versuchten, aus den Fenstern zu klettern."
Ältere Kranke im Rollstuhl oder bettlägerig mussten mit Fluchthauben durch verqualmte Flure gebracht werden. Patienten, die einigermaßen mobil waren, wurden über eine Drehleiter oder tragbare Leitern gerettet. Die Rettung von außen sei besonders schwierig gewesen, weil sich vor dem Krankenhaus eine fünf Meter breite Grabenabsenkung befand, heißt es in dem Bericht. Das Erdgeschoss war komplett schwarz verqualmt. Alle darüberliegenden Geschosse mussten evakuiert werden.
Drei Tote und 34 Verletzte
29 Menschen brachte die Feuerwehr aus dem Gebäude, drei von ihnen bereits tot. Insgesamt 34 Menschen wurden verletzt. Zwei Pflegerinnen und ein Patient erlitten nach Angaben der Staatsanwaltschaft zum Teil schwere Inhalationstraumata. Eine der verletzten Krankenschwestern bekam außerdem einen Herzinfarkt, ebenso ein Security-Mitarbeiter. Bei weiteren Patienten seien leichtere Symptome sowie psychische Belastungsstörungen aufgetreten. Der 73-jährige Brandstifter zählte nicht zu den Verletzten.
Die Flammen waren nach 20 Minuten gelöscht. "Alle Feuerwehrkräfte haben bis an ihre Belastungsgrenze und darüber hinaus gearbeitet", heißt es im Bericht der Mitarbeiterzeitung. Nach Angaben des Hamburger Senats waren insgesamt 305 Retter im Einsatz, darunter Feuerwehrleute, Polizeibeamte und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen.
Ermittlungen gegen Verantwortliche im technischen Bereich
Die juristische Aufarbeitung des Brandes ist noch nicht abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiterhin gegen Verantwortliche aus dem technischen Bereich des Krankenhauses. Es bestehe der Verdacht der fahrlässigen Tötung, erklärte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Es stehen noch Gutachten von Sachverständigen aus.
In den Hamburger Krankenhäusern - laut Krankenhausgesellschaft sind es 36 - kommt es häufiger zu Bränden. Im Jahr 2025 zählte die Feuerwehr 38 Brände in Kliniken, im Vorjahr waren es 32. Erst am vergangenen 9. Mai kam es zu einem Feuer in der Asklepios-Klinik Wandsbek, bei dem ein Mitarbeiter leicht verletzt wurde. Nach Angaben der Polizei stand eine Matratze in der Psychiatrie der Klinik in Flammen.
Das katholische Marienkrankenhaus ist eine der größten Kliniken Hamburgs. Es hat nach eigenen Angaben rund 600 Betten und behandelt jedes Jahr etwa 93.000 Patienten. Das Krankenhaus ist auf die Versorgung älterer Menschen spezialisiert. Es gehört zur gemeinnützigen Ansgar-Gruppe, deren Gesellschafter das Erzbistum Hamburg ist. Erzbischof Stefan Heße hatte die Nachricht vom Brand mit Bestürzung und Trauer aufgenommen und die Gläubigen im Erzbistum zum Gebet für die Opfer aufgerufen.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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