
Vor den Pyramiden von Gizeh sucht auch der deutsche Box-Star Agit Kabayel die Aufmerksamkeit. Aber nicht durch einen Kampf. Wenn dort Schwergewichts-König Oleksandr Usyk in einem skurrilen Duell gegen Kickbox-Idol Rico Verhoeven seinen WBC-Gürtel verteidigt, will der Bochumer auch dort sein. Und auf der großen Bühne in Ägypten sein großes Ziel klarmachen: ein WM-Kampf gegen den bislang unbesiegten ukrainischen Champion, der ihn zuletzt ignorierte.
"Ich werde es auf meine Art und Weise machen. Ich bin kein Typ, der Trashtalk betreibt. Ich versuche das, so respektvoll wie möglich anzugehen", sagte der 33 Jahre alte Bochumer der Deutschen Presse-Agentur vor dem Kampf am späten Samstagabend (23.45 Uhr/DAZN). Der Boxprofi will dem Dreifach-WM-Champion ins Gesicht sagen: "Lass uns den Leuten den Kampf geben. Du bist ungeschlagen, ich bin ungeschlagen. Für die Fans, für die Boxzuschauer."
Kabayel mit Interimstitel
Für Nicht-Boxfans ist die Causa jedoch schwer zu erklären: Der Niederländer Verhoeven machte sich einen Namen im Kickboxen, im regulären Schwergewichtsboxen absolvierte er erst einen Profi-Kampf: 2014 in Darmstadt gegen einen No-Name-Gegner und nun also in Gizeh gegen Usyk - ein steiler Aufstieg. Das System mit mehreren Boxverbänden macht es möglich. Zu steil für Kabayel, der sich übergangen fühlt.
Als Kabayel zum ersten Mal von dem ungewöhnlichen Duell erfahren habe, sei er verärgert gewesen. Zuletzt machte der Ukrainer einen großen Bogen um Kabayel, der den Interims-WM-Gürtel des Verbands WBC trägt. Und damit in der Pole-Position als Herausforderer ist.
Aber Kabayels Management holte sich Unterstützung. Und zwar mit dem einflussreichen und zahlungskräftigen Box-Investor Turki al-Sheikh aus Saudi-Arabien. Die Riad Season, die hinter al-Sheikh steht, möchte gern nach Deutschland kommen und den Kampf gegen Usyk finanzieren. Riad Season bewirbt den saudischen Staat, der regelmäßig wegen Menschenrechtsverletzungen angeprangert wird, mit Kultur- und Sportveranstaltungen. Hinter den Kulissen sprechen die Beteiligten aktuell miteinander. "Jetzt müssen wir abwarten. Meine Aufgabe ist es, Usyk herauszufordern. Und ich hoffe, er nimmt die Herausforderung an", sagte Kabayel.
Im Januar sorgte Kabayel vor seinem gewonnenen Kampf gegen den Polen Damian Knyba dafür, dass die Oberhausener Rudolf-Weber-Arena in kürzester Zeit ausverkauft war. Das sorgte auch für gespannte Blicke aus Saudi-Arabien. "Die Leute merken mehr und mehr, dass ich riesigen Support aus Deutschland bekomme", sagte er. Ein möglicher Kampf gegen Usyk könnte im Herbst in Düsseldorf oder Gelsenkirchen über die Bühne gehen.
WBC nimmt Usyk in die Pflicht
Usyk sprach im Frühjahr über seine letzten Kämpfe, denn mit 39 Jahren dürfte bald Schluss sein. Kabayel, der in die Fußstapfen von Max Schmeling treten und zum ersten Mal seit mehr als 95 Jahren wieder als Deutscher Schwergewichtsweltmeister werden will, gehörte nicht zu den genannten Gegnern.
Der Verband WBC hatte den dreifachen Weltmeister im Februar verdonnert, nach seinem freiwilligen Titelkampf gegen Kickboxer Verhoeven oder gegen Kabayel anzutreten. Sonst droht ihm laut Regularien der Verlust des Gürtels. Und der würde dann laut Kabayel-Management automatisch auf Kabayels Schulter landen.
Zunächst konzentriert sich der Ukrainer aber auf seine Aufgabe vor den Pyramiden - seine WBA- und IBF-Gürtel stehen nicht auf dem Spiel. Der intelligente und flinke Ukrainer gilt als Favorit, doch er kämpft gegen einen größeren und schwereren Gegner. Der niederländische Kontrahent wird als einer der besten Schwergewichts-Kickboxer aller Zeiten angesehen. In dem Zwölf-Runden-Showdown muss er seine Füße allerdings am Boden lassen.
Kritik an der Auswahl seines Gegners sieht Usyk nicht. Sein Duell sei ein weiterer sehr guter Medienkampf. "Alles, was in der heutigen Welt geschieht, ist eine Show, es ist alles wie im Film. Und wir sind einfach nur Schauspieler in diesem Film", sagte der Champion. "Rico ist der unangefochtene Weltmeister im Kickboxen und ich im Boxen. Für die Fans ist das doch nicht schlecht", sagte Usyk.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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